Vor-Spiel

Ein ernsthaftes Gespräch unter vier Augen.
Ich begutachte mein Gegenüber, nehme es in Augenschein. Betrachte die dunklen Haare, ihre braunen Augen mit den kleinen Fältchen, ihren ernsthaften Mund. Jedes Detail. Dann fange ich an mit meinem Spiegelbild zu sprechen.
„Hey, Universum“, fange ich also an. Und mit Universum ist das gemeint, was andere unter Gott verstehen, aber ich nenne es eben Universum. Das ist irgendwie moderner und man wird nicht ganz so blöd angeguckt, als wenn man mit Gott spricht (oder mit sicher selber^^).
Ich hatte schon mal so ein ernsthaftes Gespräch mit dem Universum. Ich bat um eine ernsthafte Beziehung. Kurz darauf lernte ich meinen Mann kennen. (Okay, an dem Abend flogen auch Sternschnuppen herum, dieses Mal hatte ich nur diesen Spiegel zur Verfügung, Man muss halt mit den Dingen arbeiten, die einem zur Verfügung stehen.)
„Hey, Universum,“ sagte ich also laut. „Du weißt, der alte Mann ist mein bester Freund und ich mag ihn sehr. Aber es wäre super, wenn du mir hier vor Ort noch einen guten Freunden schicken könntest. So zum Reden und Ausgehen, Feiern und Spaß haben. Vielleicht sogar jemanden zum Verlieben.“
An dieser Stelle komme ich ins Grübeln. „Naja, vielleicht doch besser nicht. Du weißt, diese Sache mit dem Verlieben ist immer so kompliziert und so. Riskant auch. Vielleicht doch besser nicht. Einfach nur ein Freund.“ Aber so ganz sicher bin ich mir dann doch wieder nicht.
„Ach komm, Universum. Mach was du willst, aber n Freund wär schon klasse. Danke und so.“
Und das Universum hat gut zugehört.

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Fick dich, Facebook

Früher fand ich Facebook mal cool. Ich mochte, dass man so ganz unkompliziert mit Leuten von früher in Kontakt treten kann. Natürlich dient das in erster Linie nur der Befriedigung meiner Neugier und ist im Grunde nicht überlebenswichtig. Aber doch ganz nett. Dann kamen noch die ganzen Künstler und Bands dazu, die einen auf dem Laufenden halten was Tourpläne u.ä. angeht. Praktisch.

Und dann hat immer mal wer lustige Sprüche geteilt. SMS von gestern Nacht und Comics von Ruthe versüßten mit den Tag.

Das war alles schön und gut und dann kam der Tag, an dem irgendjemand irgendeinen Scheiß geteilt hat. Eine Zeichnung von nackten, gefesselten Menschen, die von Ratten angenagt werden. Der Tenor dieser Botschaft war ungefähr: Das sollte man mit Kinderschändern machen!

Das Ganze ist schon etwas her, vermutlich stand da noch: „Like, wenn du auch gegen Kinderschänder bist!“ oder so ein ähnlicher Blödsinn.

Ich hätte mich vermutlich gar nicht so sehr aufgeregt, wenn der Müll nicht tatsächlich so viele Likes gesammelt hätte. Auch die Kommentare waren wenig reflektiert. Es gab vielleicht 2-3 kritisch hinterfragende Meinungen, die dann natürlich gleich einen Shitstorm auslösten.

Ich konnte es nicht begreifen. Das ist unsere Gesellschaft? Die Leute befürworten Folter? Wollen wir wirklich zurück ins Mittelalter?

Dieses Bild beinhaltete nicht nur den schalen Beigeschmack von Selbstjustiz (vor allem wenn man so unbedachte Kommentare liest wie „Wenn ich so einen in die Finger kriegen würde…“), sondern machte auch klar, wie unsere Gesellschaft mit ihren kranken Anteilen umzugehen gedenkt. Denn genau das sind Kinderschänder in erster Linie: Krank. Und kranke Menschen bedürfen in erster Linie einer Therapie. Und wenn das nicht reicht, wenn sie eine Gefahr für die Umwelt und sich selber darstellen, dann muss man sie mit Sicherheit auch wegschließen. Aber Folter? Wem nutzt das?

Da kommt der Steinzeitmensch in uns wieder zum Vorschein. Auge um Auge…

Dieser Post ist nun schon einige Zeit her und ich bin längst nicht mehr so aktiv Facebook. Facebook ist mehr zu einem Synonym für eine Mischung aus Belanglosigkeit und Polemik geworden.

Irgendjemand hat bei CandyCrush 1000. Punkte gemacht oder bei den Sims die Affenschaukel freigeschaltet. Irgendjemand ist gegen irgendwas, jeder hat zu allem eine Meinung.

Ich halt mich da schön raus. Meistens. Man muss nicht zu allem eine Meinung haben. Aber, wenn man seine Fahne in den Wind hält, dann regt mich das schon auf. Meistens gibt es doch die große Mainstreamgruppe, die irgendwas polemisches postet, was eigentlich eh jeder Normalsterbliche so sieht. Gewalt ist doof! Kriminalität gehört verboten! Mörder ins Gefängnis! Und alle schreien „Ja!!!“ und freuen sich, weil sie so ein Gutmensch sind. Dann gibt’s noch die Antis, die überhaupt gegen alles sind und die versuchen alle Fakten infrage zu stellen. Und die halt gegen den Mainstream sind, alleine schon aus Protest.

Ich persönlich muss gar nicht zu allem eine Meinung haben. Tatsächlich bin ich oft unsicher, wer denn nun eigentlich zu den „Guten“ gehört und wer zu den „Bösen“ bzw. mag ich mir solches Schubladendenken auch nicht angewöhnen. Und, um ehrlich zu sein: Manch politisches Thema ist so kompliziert, dass ich es zeitlich nicht schaffe mich umfassend aus vielen Quellen zu informieren, die es mE bedarf um sich halbwegs neutral einen Überblick zu verschaffen bzw. versteht mein beschränkter intelligenter Horizont auch nicht alles. Und manchmal ist es mir auch einfach egal.

Was mir nicht egal ist, sind Dinge wie Terror, Gewalt, Anschläge.

Eine Freundin von mir postete folgenden Beitrag auf Facebook:

„Ich ändere mein Profilbild NICHT in die französischen Farben. Warum?

  1. Weil es nichts bringt.
  2. Weil ich mein Profilbild mehrmals am Tag umfärben müsste, so viele schreckliche Dinge passieren jeden Tag.

    Zu viele #heuchler“

Ich krieg jetzt noch die Krise. Sowas macht mich echt wütend! „Fick dich!“ ist gar kein Ausdruck dagegen.

Nicht falsch verstehen: Jeder sollte selber entscheiden, ob er auf FB sein Profilbild ändert oder nicht. Oder auf Whatsapp oder sonstwo.

Jemand, der sein Profilbild nicht umändert, ist deswegen kein schlechterer Mensch. Ich finde das absolut legitim. Aber wenn jemand anfängt gegen Leute zu pöbeln, die das gemacht haben, und dann noch mit dieser armseligen Begründung, dann wird’s bei mir Zappenduster.

Bei dieser Aktion geht es darum, sich solidarisch mit den französischen Opfern zu zeigen. Ein Statement gegen Gewalt und Terror. Flagge zeigen. Mitgefühl.

Das man damit nicht die Welt verändern kann, versteht sich von selbst.

Aber dieser Satz „Das bringt sowieso nichts“… Ist das die Konsequenz? Wir können nichts verändern, also sollten wir auch nichts tun. Uns keine Gedanken machen, kein Mitgefühl zeigen. Ist doch eh scheiß egal. Ich bin nicht so der Typ für diese Scheißegal-Mentalität.

Ich weiß auch, dass es in anderen Ländern der Erde Terror, Gewalt, Folter gibt. Tagtäglich. Aber das macht es doch nicht richtiger? Wo bleibt da die Logik?

In anderen Ländern gibt es auch Anschläge, also sollen die da in Frankreich nicht rumheulen? Kann das ernsthaft die Botschaft sein?

Alle Menschen sind gleich viel wert. Ich verurteile Gewalt überall. Aber es ist eben so, dass Frankreich uns besonders nahe ist. Für mich persönlich gesprochen: Ich liebe Paris, ich war schon zwei Mal dort. Ich habe französisch in der Schule gelernt, mir gefällt die Sprache. Durch einen Schüleraustausch kenne ich auch ein paar Leute dort. Ich habe also eine Verbindung zu Frankreich. Generell gesprochen: Frankreich ist unser Nachbarland. Deutschland fühlt sich Frankreich nahe, ist in vielen Dingen verbündet. Das ist auch der Grund, warum die Berichterstattung so umfangreich ist und die Anteilnahme vermutlich größer als in Ländern, die nicht mit Deutschland eine Linie fahren bzw. einfach sehr weit weg sind. Wir sind betroffener, wenn jemand aus unserer Familie oder aus unserem Freundeskreis stirbt, als wenn es zum Beispiel unseren Briefträger trifft oder die Frau an der Kasse im Supermarkt. Das ist einfach so.

Meine Freundin hat sich dann noch verteidigt mit den Worten, dass man ja nur durch konkrete Taten was verändern kann. Ich bin gespannt, was sie vor hat.

#selbstjustiz ?

Was Menschen so treiben

Pssst! Mit etwas Glück können wir hinter den runden Glasscheiben in der Dunkelheit des Terrariums der Liegewiese ein Pärchen beim Koitus entdecken. Da! Dort hinten rechts können wir zwei Körper ausmachen. Noch ist unklar, wer von ihnen das Männchen und wer das Weibchen ist. Wir warten eine Weile, aber es bewegt sich nichts. Offensichtlich sind wir zu spät gekommen, der Liebesakt wurde bereits vollzogen.

Wir schleichen weiter durch den Zoo der Leidenschaft. Plötzlich vernehmen wir das quietschende Geschrei eines Weibchens. Wir folgen den Geräuschen und haben Glück: zwei Männchen und ein Weibchen haben sich zu einer Vereinigung zusammen gefunden. Nun können wir das Wunder der Fortpflanzung vollends betrachten. Interessanterweise hat diese Szene wenig mit den bisher angeschauten Lehrmaterial aus dem Internet zu tun (siehe auch empflix.com). Das Weibchen hat zum Beispiel an einer für Lehrfilme unüblichen Stelle Haare und scheint auch sonst etwas älter und schwergewichtiger zu sein als das Durchschnittsweibchen im Film. Was ebenso für die Männchen zutrifft (von den Haaren vielleicht abgesehen). Plötzlich stellen wir fest, dass wir nicht die einzigen an diesem Beobachtungsposten sind: Ein Männchen hat sich von hinten herangeschlichen und macht sich daran seine Hand unter das Kleid von Frau Beobachterin wandern zu lassen. Vorsichtig verlassen wir die Szene und lassen das Jungtier zurück.

Wir schauen kurz an der verlassenen Futterstelle vorbei und später noch an der Wasserstelle. Dort entdecken wir ein Pärchen, das in der Wasserstelle badet. Möglicherweise eine Art Reinigungsritual vor der koitualen Vereinigung. Vielleicht aber auch danach.

Wir entdecken noch einen Raum, an dem musikalische Klänge ertönen. Hier befinden sich sehr viele leicht bekleidete Pärchen und ein paar männliche Jungtiere. Offensichtlich eine Art Begegnungsstätte für brunftwillige Exemplare.

Wir möchten uns nun auch einmal nachfühlen, wie das so ist als brunftwilliges Pärchen und begeben uns auf eine Liegewiese. Die Dunkelheit lässt uns in einer Art Zwielicht zurück. Wir liegen und lauschen der Stille. Doch die Stille des Dschungels währt nur kurz. Wir hören nicht nur das Blubbern der Wasserstelle, sondern auch die rhythmischen Bewegungen eines masturbierenden Männchens. Wir schließen unsere Augen und warten ab, was noch passiert. Schon bald haben wir ein weiteres Männchen angelockt. Frau Beobachterin spürt eine Zunge an ihrem Bein hinaufwandern. Flüsternde Worte zu Herrn Beobachter, um das Jungtier nicht zu verschrecken. Wir warten noch etwas, müssen dann aber doch unseren Rückzugsort verlassen, als mein Begleiter mich warnt: „Der zieht sich jetzt n Gummi über“. Nun wird es Frau Beobachterin dann doch zu heikel. Wir bedanken uns für die Gastfreundschaft und die beeindruckenden Einblicke in das Leben eines Swingerclubs, fahren nach Hause und bumsen die ganze Nacht.

With or without you

Nach einem denkwürdigen langem Abend und einer noch längeren, intensiven Nacht dieses Gefühl…

Bevor der Kleine ins Auto steigt, bestaunen wir die verschiedenen Rottöne des Sonnenuntergangs. Er zeigt auf die Stelle, wo das Rot am intensivsten scheint. Da will er hin. Und ich auch.

Das Auto geparkt, alle Lichter sind aus und ich versinke in der Dunkelheit. Bleibe sitzen, noch für diesen einen Song, der mich an früher erinnert. Früher, als das Wort „Liebe“ noch nicht so abgedroschen und abgenutzt war. Als im Leben noch alles möglich schien und man eigentlich nur immer weiter geradeaus fahren wollte. Aber vielleicht passt der Text jetzt noch viel mehr.

See the stone set in your eyes
See the thorn twist in your side
I wait for you
Sleight of hand and twist of fate
On a bed of nails she makes me wait
And I wait without you

With or without you
With or without you

Through the storm, we reach the shore
You give it all but I want more
And I’m waiting for you

With or without you
With or without you Ah-ah
I can’t live with or without you

And you give yourself away
And you give yourself away
And you give, and you give
And you give yourself away

My hands are tied, my body bruised
She’s got me with nothing to win
And nothing left to lose

And you give yourself away
And you give yourself away
And you give, and you give
And you give yourself away

With or without you
With or without you Oh-oh
I can’t live
With or without you

Oh, oh, oh, oh
Oh, oh, oh, oh
Oh, oh, oh, oh-oooh
With or without you
With or without you
I can’t live
With or without you
With or without you

BDSM

Wer sich eingehender mit dem Thema Sex beschäftigt, der kommt um dieses Wort nicht herum.

Dabei steht das B für Bondage & Discipline, D für Dominance &Submission und SM für Sadism & Masochism. Fragt mich nicht, welcher Analphabet sich das so ausgedacht hat. Wobei BDDSSM auch eher nach nem mittelschweren Sprachfehler klingt, also lassen wir das mal so durchgehen.

Heute denkt bei dem Wort BDSM ja jeder gleich an Shades of Grey. Ich kann dazu wenig sagen, ich hab den Mist weder gelesen noch gesehen. Tatsächlich habe ich lediglich die Geschichte der O gesehen. Für mich, die ich aus einer sehr (matriarchalischem) emanzipiertem Familie entstamme, war der Film schwer zu verdauen. Aber interessant zu sehen, wie die Frau O sich am Ende selbst zur kleinen Sadistin mauserte.

Witziger dagegen ist der Film Secretary. Es geht um eine Frau, die bei einem Anwalt eine Anstellung als Sekretärin sucht und findet. Sie liebt es zu dienen und gelegentlich böse bestraft zu werden, er liebt es autoritär zu sein und ihr mal den Hintern zu versohlen. Alle sind ein bisschen gestört, haben sich aber total lieb. Happy End.

Tatsächlich ist die Bandbreite des BDSM heutzutage ziemlich offen. Vom kleinen Klaps bis zu Schlägen mit Hilfsmitteln, von leichtem Fesseln ans Bett bis zur absoluten Regungslosigkeit durch Vakuumbetten, vom leichten Brennen durch angeschnittenem Ingwer über den Gebrauch von heißem Kerzenwachs oder gar Nadeln – hier ist eigentlich alles erlaubt, worauf man sich zusammen geeinigt hat. Im Grunde ist BDSM so ziemlich alles, was nicht unter normalem Standardsex gehört. Aber nicht alle hören das gerne. Männer ab Mitte 40 zum Beispiel. Die geben auf Sexportalen gerne damit an, quasi das BDSM erfunden zu haben, waren ihrer „Zeit weit voraus“, „lange schon vor Shades of Grey“. Okay, das ist jetzt auch nicht sooo schwer. Lange Zeit vor „die Geschichte der O“ wäre spektakulärer. Da wüsste man direkt, dass man einen Dinosaurier zu tun haben muss.

Diese Spezies Mensch unterscheidet nicht nur zwischen „richtigem“ und „falschem“ BDSM (falsch ist zu soft), sondern sie stellt auch oft die Emanzipation an sich in Frage. Gerne werden Floskeln wie „früher wusste wenigstens jeder wo er steht“ verwendet. Heute wären alle so verwirrt, die Männer verweichlicht, weil sie ja jetzt Emotionen zeigen müssen oder so. Ja, scheiße, die gute alte Zeit. Als der Mann gearbeitet hat, danach sein Geld in der nächsten Kneipe versoffen hat und seine Blagen wenigstens nur am Wochenende ertragen musste, während Mutti an jeder Brust zwei Kinder gestillt hat und nebenbei noch den Haushalt geschmissen und das Essen gekocht hat. Da hatten Frauen wenigstens keine Zeit um nachzudenken. Schlimm heute! Und dann haben die auch noch das Wahlrecht bekommen. Was für eine Verantwortung! Unverantwortlich eigentlich!

NEIN! Ganz im Ernst, Nein! Kann sein, dass es ein paar gestörte Frauen gibt, die das echt toll finden, wenn der Mann der große Bestimmer ist und die total glücklich sind, wenn sie ihre Mühle da oben nicht anschmeißen müssen, aber alle halbwegs intelligenten Frauen sind doch froh ihr Leben selbstbestimmt meistern zu dürfen! Und ich weiß nicht warum ich mir immer wieder diesen Scheiß anhören muss von Männern, die offensichtlich nicht in der Lage sind zwischen sexuellen Vorlieben und der Realität zu unterscheiden. Es gibt dominante Männer, die in einer 24/7 Beziehung mit ihrer Sklavin leben. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Und die muss dann allzeit bereit sein. Für was auch immer. Natürlich entscheidet sich die Frau ja auch ganz freiwillig für diese Art zu leben. Da finden sich dann zwei Menschen, die beide n Knall haben. So kann ich meine Verachtung ganz gerecht aufteilen und nebenbei das Gefühl krampfhaft unterdrücken, dass ich meinen Kopf gegen eine Wand schlagen möchte vor so viel Blödheit.

Lebt euer Leben wie ihr wollt. Ich will es nur nicht wissen.

Ich bin mit dominanten Männern sowieso durch, seit mir einer im Gespräch eine runter gehauen hat, weil ich was „freches“ gesagt habe (kaum vorzustellen eigentlich^^).

Grundsätzlich finde ich das Wort „Sklave“ übrigens total bescheiden. Echte Sklaven sind nie frei, die gehören jemanden, sowie ein Gegenstand jemanden gehört. Echte Sklaven haben auch keinen Notausgang, kein Codewort und nichts. Beim BDSM jedoch gibt der Devote ja freiwillig für eine gewisse Zeitspanne seine Selbstbestimmtheit ab und behält sich das Recht auf einen Notausgang vor. Ich fände es äußerst fahrlässig auf diesen Notausgang zu verzichten. Abgesehen davon krieg ich Schweißausbrüche bei dem Gedanken jemanden zu gehören oder dass jemand mir gehört. So viel dazu mal.

Aber es gibt ja noch andere Perversitäten. Dazu muss man nur mal einen speziellen Sexshop konsultieren. Es gibt Masken, die erinnern mehr an irgendwelche Horrorfilme, als an anregenden Koitus. Aber das muss ja jeder selber wissen. Ich würd da keinen hoch kriegen… Ich schaff es meist nur 5 Minuten auf den Seiten der BDSM Shops bevor ich mich übergeben muss. Wobei manche Folterinstrumente doch sehr kreativ anmuten (Einlegesohlen mit Reißzwecken. Perfide!).

Lustig bis irritierend finde ich persönlich ja die Petplay-Kostüme. Die kann man dann auch nochmal zu Karneval tragen. Da gibt’s ja auch schon alles vom geilen Zebra bis zum brünftigen Hirsch. Für den kleinen Zoo daheim.

Die Männer sind im Bezug auf das Devotsein mittlerweile übrigens stark auf dem Vormarsch. Dagegen ist ne weibliche Sklavin oft gar nix. Die Wünsche sind vielfältig. Dauerbrenner scheint der Wunsch nach Erniedrigung zu sein. Aber auch der Wunsch mal über Nacht gefesselt in einem Keller zu verbringen. Naja, wems Spaß macht… Laut Aussage meiner speziellen Freunde konnte es natürlich nur aufgrund der Gleichberechtigung soweit kommen, das Männer devot werden. Früher waren alle dominant, aus vollstem Herzen. Dann kam die Frauenbewegung und hat die Männer devot gemacht. Schöne scheiße. Stimmt natürlich nicht.

Aber dafür brauchen sich Männer jetzt nicht mehr schämen, wenn sie auch mal unten liegen möchten. In Damenunterwäsche.

Je größer die berufliche Verantwortung, desto größer auch der Drang sich beim Sex zurückzunehmen und die passive Rolle zu übernehmen. Passt natürlich nicht immer, aber doch überraschend oft. Und sogar so mancher Dom wird seiner Rolle überdrüssig und wünscht sich nichts sehnlicher, als mal von einer Frau angerotzt zu werden. Man muss ja auch nicht immer klar definieren, ob man jetzt devot oder dominant ist. Finde ich persönlich eh ziemlich langweilig, wenn man auf eine Rolle festgelegt ist. Aber so mancher hat seine Probleme damit. Möchte eigentlich dominant sein, aber auch mal Facesitting ausprobieren. Sorgt sich dann aber, weil das seine Dominanz untergraben könnte. Ist das nicht traurig? Gefangen in den Mauern, die er selbst um sich errichtet hat.

Spannend finde ich persönlich immer wieder, wie sehr Fantasie und Realität auseinander driften. Das ist auch ein Weg, den jeder für sich gehen muss. Meistens stellt man doch fest, dass die Fantasie geiler war. Man muss auch nicht jeden Scheiß umsetzen. Ich kann zumindest ganz gut einschätzen, was nur Hirngespinst ist und was ich wirklich mal umsetzen möchte. Nach zwei Jahren Freiheit lässt dieser Drang extrem nach und ich denke oft „Scheiße, ich will eigentlich nur vögeln“, wenn ich auf Internetprofilen „Unbedingt: BDSM“ lese.

Wird auch überschätzt, finde ich.