Autopilot

Manchmal reichen zwei Sekunden, um mich nervös zu machen.
Charisma, Offenheit, ein selbstbewusstes Auftreten…aber irgendwie noch mehr.
Etwas Unbestimmtes.
Vielleicht etwas in den Augen…

Plötzlich spiele ich nur noch, ich wäre die, die hier das Sagen hat.
Mein Kopf versucht die Reste der Selbstsicherheit zusammen zu kratzen, aber es gelingt ihm nur unzureichend.
Ich laufe auf der emotionalen Schiene. Er haut mich echt um.

Und dann stehen wir auf einmal im Schlafzimmer und ich schließe die Tür und küsse ihn und er sagt zu mir „Wow, das hat mich jetzt echt überrascht!“ und ich denke „und mich erst…“

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Tell me lies

Seit Tagen frage ich mich schon: Wie ist das bei mir? Möchte ich gern belogen werden? Mache ich das vielleicht auch selber, egal ob bewusst oder unbewusst?

Meine Definition des Lügens sieht vor, dass das Lügen an sich ein aktiver Prozess ist, bei dem es sich um das Weitergeben voll Fehlinformationen, wider besseren Wissens, handelt.
Also lügt man nur, wenn man es auch wirklich weiß nicht, und nicht, wenn das Wissen vielleicht nur im Unterbewusstsein schlummert.
Von dem her ist Lügen nicht objektivierbar.
Wenn jemand davon überzeugt ist, dass Elefanten lila sind, nur weil er mal einen lila Elefanten in einem Buch gesehen hat, dann kann man ihn nicht als Lügner bezeichnen. Sondern nur als fehlinformiert.
Jeder Mensch hat seine eigenen, subjektiven Wahrheiten. Die können auch objektiv falsch sein. Vielleicht sind sie auch richtig und manchmal weiß man es gar nicht.

So betrachtet, würde ich mich erstmal nicht als Lügner bezeichnen.

Dieses „Tell me lies“ steht natürlich nicht einfach ohne Bezug im Raum.
Es geht zum Beispiel um Balzgehabe (konkret bezugnehmend aus dem Text, aus welchen ich diesen Satz entnommen habe). Es geht darum, dass sich jemand gerade nicht schmücken will, nicht spielen will und keine unerfüllbaren Erwartungen schüren will.

Hmm…
1. Es gibt ja Statistiken, die behaupten, ein Mensch würde bis zu 200 Mal am Tag lügen.
Da bin ich schon wieder vorsichtig mit der Definition von Lügen. Vieles schwelgt dann doch im Unterbewusstsein. Jedoch kann auch ich mich nicht verwehren, das man sich manchmal tatsächlich bewusst ist, dass das neue Hemd mit den vielen bunten Punkten echt scheiße aussieht, das Gegenüber aber so stolz auf die neue Errungenschaft ist, dass man ihm nicht den Tag verhageln möchte.
Also ja, wir lügen dann doch alle ab und zu.
Ich würde allerdings behaupten wollen, dass dieses Lügen sich meistens auf nicht objektivierbare Themen handelt (über Geschmack lässt sich schlecht streiten). Zudem ist diese Art von Lüge gesellschaftlich anerkennt und deutet auf eine gewisse Kompromissbereitschaft hin.

2. Wenn wir jemanden Neues kennenlernen, versuchen wir immer, uns erstmal gut darzustellen. Wir wollen den anderen ja nicht von Anfang an vergraulen.
Wir suchen im Kleiderschrank nach Klamotten, die uns besonders attraktiv erscheinen lassen, geben uns Mühe mit der Frisur und schminken uns (zumindest einige von uns).
Böse gesagt, ist das ja auch schon eine Art von Blendung. Positiv formuliert, ist es ein Akt des „sich-Mühe-gebens“.
Im Gespräch erwähnt man dann hoffentlich nicht gleich als erstes, dass man gerade üble Darmprobleme hat, die Menschheit als ganzes hasst und die Ex alle drei Tage vor der Tür steht, weil sie ihre Kohle wiederhaben will.
Stattdessen versucht man im Idealfall ein vernünftiges Gespräch zu führen und auf das Gegenüber einzugehen.

Jetzt gibt es natürlich totale Flirtprofis, die einen Spruch nach dem anderen raushauen, die Dame mit Komplimenten überschütten und mit ihrem Gehabe das Weibchen so irritieren wollen, dass sie ihnen willenlos ins Bett folgt.
Naja, das funktioniert so eher nicht, wäre aber ein gutes Beispiel für Balzgehabe und Lügen im weiteren Sinne.
Auch das absichtliche Weglassen von Informationen würde ich so als Lüge definieren („Ich habe doch nie behauptet, ich wäre unverheiratet!“).
Also ja, wenn jemand sein Gegenüber nur ins Bett zerren will und ansonsten gar kein Interesse an demjenigen hat, dafür aber das blaue vom Himmel verspricht, dann ist das ziemlich verlogen.
Ist mir aber noch nicht passiert, bzw. wurde das Gespräch im Schriftverkehr schon so doof, dass es nie zu einem Treffen gekommen ist.

Ist Flirten an sich schon lügen?
Unter Flirten verstehe ich vor allem das Machen von Komplimenten.
Komplimente sind echt, wenn sie nicht nur als Mittel zum Zweck dienen und ehrlich gemeint sind.
Man kann durchaus einen Menschen hübsch finden und es ihm mitteilen, ohne zu lügen.

Jetzt nochmal weg von der konkreten Situation.
Meine Assoziation zu „Tell me lies, tell me sweet little lies“ wäre auf Anhieb das Bild des Ritters in schimmernder Rüstung, der das Mädchen aus dem dunklen Verlies befreit, dabei gegen allerlei Drachen kämpft und dann mit ihr ins Happy-End-Land reitet, wo sie sich dann den ganzen Tag lang glücklich verliebt anstrahlen können.

Ich muss zugeben, so unrealistisch (und auf Dauer mit Sicherheit auch absolut langweilig!) diese Vorstellung auch ist – ein kleiner Teil von mir, findet sie auch schön und romantisch.
Das Bild vermittelt Hoffnung.
Die Dame erlebt eine Befreiung und wird auf Händen getragen – und wer möchte das nicht?
Ich würde Romantik nicht kategorisch ablehnen, nur weil sie vielleicht unrealistisch ist.
Es ist einfach ein schönes und emotionales Bild und ich bin ja nun auch kein durchweg rationaler und vernunftbegabter Mensch, da kann ich mir das auch mal leisten 😉
Es ist schön, wenn man in einer Beziehung ist und dieses Bild vor einem auftaucht und man sich darin wiederfindet.
Dennoch bin ich immer noch rational genug, um zu wissen, dass das Bild nicht von Dauer ist/ sein kann.

Also ja, manchmal möchte ich ein wenig belogen werden.
Manchmal möchte ich glauben, es gäbe keine (anderen) Probleme auf der Welt und das „für immer“ auch wirklich für immer gilt. Ich möchte glauben, dass Liebe nicht nachlässt, dass Happy-Ends sich nicht umkehren lassen, dass der Tod nicht das Ende ist und am Ende immer die Guten über die Bösen siegen.
Vielleicht möchte ich das sogar umso mehr glauben, je unrealistischer ich es empfinde.

Ich muss aber wohl bei mir keine Angst haben, auf so eine Lüge hineinzufallen, habe ich doch stets ein wachsames Auge auf mich selbst und meine Umgebung.

Wie steht es mit mir? Erzähle ich anderen diese „sweet little lies“?
Ich muss gestehen, es fällt mir nicht immer leicht, dies abzugrenzen. Ich versuche immer anderen kundzutun, wie ich empfinde, aber manchmal schwankt es auch ziemlich.
Meine Emotionen sind oft nicht vorhersehbar, ich fühle schnell tief, verliebe mich schnell, verrenne mich schnell – und weiß dann nicht, ob es echt ist und Bestand hat.
Manchmal auch gut, nicht alles definieren zu müssen.
Dennoch liegt mir nichts ferner, als dem anderen zu belügen und hinzuhalten.
Wenn ich Gewissheit über etwas habe, teile ich es mit.

Mein Fazit: „Sweet little lies“ können eigentlich ganz nett sein, sofern man sich bewusst ist, dass sie im Grunde unrealistisch sind.

Rückblickend

Während ich anfangs relativ gut darin war mich abzulenken und mein Unterbewusstsein zu bescheißen, hat die Erkenntnis des neuerlichen Singledaseins nun alle kognitiven Ebenen durchdrungen.
Das Ganze fühlt sich an wie ein ziemlicher Hangover.
Vielleicht ist es auch mit einem Suchterlebnis zu vergleichen.
Ich habe festgestellt, dass mein Suchtpotential eher gering ist, aber so muss es sich anfühlen.
Plötzlich fehlt einem etwas, das mal da war, an das man gewöhnt war.
Emotional, psychisch.
Es ist plötzlich weg und dann und wann wird offenbar, dass es eine Leere gibt, eine Lücke, wenn man so will.

Ich versuche diese Lücke so gut es geht zu füllen und größtenteils gelingt mir dies auch sehr gut.
Aber manchmal fühlt es sich an, wie auf hoher See ohne Kompass.

Ich lasse alles Revue passieren.

Die guten Zeiten schmerzen mehr als die schlechten.

Ich bin enttäuscht. Und desillusioniert.
Von mir selbst, aber nicht nur.

Vertrauen ist manchmal ein zweischneidiges Schwert.
Für eine gesunde Beziehung jedenfalls essentiell.

Ich vertraue momentan nicht wirklich auf die Fähigkeit, mich mit den richtigen Männern auf eine Beziehung einzulassen.
Und ich merke das schon wieder. Dass mich das reizt, was mich vermutlich kaputt machen würde.
Merkwürdig, wenn im Kopf der Alarm angeht und das Herz volle Granate in die Achterbahn der Gefühle brettern will.
Warum kann man kognitiv was dazulernen und emotional ist man so festgelegt, auf ein bestimmtes Muster dressiert.
Geht das nur mir so?

Mein Kopf wusste schon früh, dass es zumindest schwierig, wenn nicht unmöglich wird. Mein Herz wollte es unbedingt versuchen. Es hatte sich ziemlich da reingesteigert und immer und immer wieder hat das Herz vergessen, was sich der Kopf auf kleine und große Post-its an die Hinterwand gepappt hat.
Warum reden die beiden eigentlich nie miteinander?
Hmm, vermutlich könnte ich dann nachts auch nicht schlafen…
Außerdem würden sie wohl eh keine geeignete Lösung finden, die beiden sind nicht gerade als Teamplayer bekannt.

Ich bin also beziehungsunfähig.
Das ist an sich nicht neu, die Diagnose hatte ich mir schon einmal gestellt und hat sich nun offensichtlich als richtig erwiesen.
Mein Herz hat jedenfalls viel investiert und es hätte sich wirklich mal ein Happy End gewünscht. Mein Herz liest aber auch die Goldköpfchen-Geschichten, findet New Girl toll (vor allem Nick) und glaubt an Einhörner.
Und jetzt ist es gerade ziemlich verkatert und mürrisch und maulig, wie ein Teenager, den man um 6:30 weckt, damit er pünktlich zur Schule kommt.

An mir nagt wirklich die Erkenntnis, mich so sehr in etwas verrannt zu haben, was eigentlich nie hatte gutgehen können. Das hätte ein Blinder mit Krückstock erkannt.
Vielleicht nicht gleich von Anfang an, aber doch relativ früh. Es war abzusehen.
Und hat sich doch auch richtig angefühlt.
Ich misstraue mir.
Um ehrlich zu sein, bin ich gerade ziemlich genervt von mir selber.

Alles anders

Also treffe ich ihn wieder.
Nach knapp zwei Jahren.
Unglaublich eigentlich, dass das Ganze jetzt wirklich schon zwei Jahre her ist.
Man blickt zurück und denkt „letztens irgendwann“, vor nicht allzu langer Zeit und dann sind es tatsächlich zwei Jahre.
Und ausgerechnet in der Sauna.

Zuerst wollte ich nur mal „Hallo“ sagen, mehr so ein „und was machst du so?“
Und dann die Frage nach einem Treffen und ich denke „Hmm. Ja, schon, würde mich interessieren, aber jetzt schon?“ Und dann verabreden wir uns in Bierlaune fürs kommende Wochenende.
In der Sauna.

Kopf und Herz durchlaufen nochmal, was vor zwei Jahren so abgelaufen ist.
Der Mann, mit dem ich alle weiteren lange Zeit verglichen habe.
Ein zerbrochenes Herz und Tränen auf der Autobahn und dieses Lied im Radio.

Aber wenn du deine Augen schließt,
fühlt es sich nicht fast so an,
als ob sich nichts geändert hätte?
Wie (zum Teufel) soll ich da optimistisch sein…

Kurz vorher will ich eigentlich absagen.
Ich weiß nicht was passiert, kann es nicht einschätzen und bin mir über meine und seine Beweggründe nicht mehr im Klaren.
Der alte Mann findet immerhin meine wieder.
Dann fahre ich los und schüttel all meine Ängste ab. Denn ich weiß, ich würde mich nur ärgern, würde ich das hier nicht durchziehen.

Irgendwann bin ich dort und es kommt mir so vor, als wenn man versucht Puzzleteile zusammen zu legen, die mal passten und jetzt irgendwie nicht mehr. Irgendwas ist falsch.
Ich spüre nichts mehr, nicht das geringste.
Ich bin wirklich frei.

Und auf der Rückfahrt kommt dieses Lied und ich denke:

Wenn ich die Augen schließe,
fühlt es sich fast so an,
als hätte sich alles geändert.

Sarkasmus oder Bestandsaufnahme negativer Eigenschaften

Okay.
Jemand hat mir gesagt, ich spreche fließend Sarkasmus und nicht jeder kommt darauf gut klar.
Eine richtig gute, zufriedenstellende Lösung für das Problem habe ich allerdings noch nicht gefunden.
Wer mich wirklich kennt, weiß, wann ich was sarkastisch meine und was ernst.
Im Grunde ist es ganz einfach: Ich nehme nämlich gar nichts ernst.
Okay, sagen wir: Kaum etwas.
Es lohnt sich kaum, irgendetwas ernst zu nehmen, denn seien wir doch mal „ernst“: Die Welt ist ein einziger Zirkus – und wir mittendrin.
Lachen, Sarkasmus und Zynismus oder zumindest ein Quäntchen Ironie sind doch die einzigen Mechanismen, um das alles hier auszuhalten?!
Ja, man sieht: Humor ist mir ungemein wichtig. Und da habe ich kaum eine Schmerzgrenze (darum mag ich Böhmi wohl auch so sehr).
Und: Natürlich gibt es im Humor auch immer einen wahren Kern.
Darum IST es ja lustig!
Sonst wäre es einfach nur dämlich.

Und ja, wer austeilen kann, sollte auch einstecken können.
Und ich denke, das kann ich.
Nur zu!

Weiter im Text….
So ein Blog verleitet natürlich dazu, sich selbst ganz großartig zu finden und die anderen alle doof.
Ich habe zwar immer Mal versucht dagegen anzugehen (z.B. bei meinem Psychologie-Geschwafel) und dennoch bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich reicht.
Also bin ich jetzt mal tief in mich gegangen und habe versucht mir über meine negativen Verhaltensweisen im Klaren zu werden.

Warum Maria Mittwoch echt scheiße ist (eine Schmähkritik – nein, so weit wollte ich dann doch nicht gehen ;-))
Ich scheine manchmal den Ernst der Lage nicht zu erkennen oder nicht erkennen zu wollen. Ich mache mich über Dinge lustig, die eigentlich nicht lustig sind (okay, Ansichtssache…).
Ich bin chaotisch, oft unordentlich, habe meine Termine nicht immer gut aufm Schirm, bin schlecht organisiert und immer spät dran.
Geld ist mir nicht so wichtig, wie es sein sollte, ebenso wie meine Zukunftspläne, besonders die Zukunftspläne, die sich mit dem Beschaffen von Geld befassen.
Ich bin gerne faul, könnte wirklich aktiver sein und mehr Sport treiben.
Manchmal höre ich nicht richtig zu, bin unkonzentriert und lasse mich ablenken.
Manchmal läuft in meinem Kopf ein ganz anderer Film, als in der Realität und ich nicke nur und sage „jaja“.
Ich bin manchmal scheiß-emotional und manchmal so gar nicht.
Ich kann eifersüchtig werden, obwohl ich das gar nicht will und mein Kopf mein Herz fragt: „Was soll der Scheiß?“
Dafür kann ich Menschen lieben, denen mein Kopf mir abrät, weil wir zu unterschiedlich sind.
Überhaupt wollen Kopf und Herz oft ganz andere Dinge und ich entscheide mir derweil für „Ja“, „Nein“, ich mein…
Ich nicht wirklich intelligent. Ich bewundere Menschen, die es sind. Ich habe nur so ein Halbwissen und mogel mich damit so irgendwie durch.
Durch meine Emotionalität und bin ich manchmal unberechenbar.
Ich bin auch oft wütend, auch wenn ich meistens versuche, es runterzuschlucken.
Ich lasse mich gerne provozieren und provoziere dann zurück, bis alles eskaliert und den Bach runter geht.
Ich bin keine Vorzeige-Mutter. Wenn ich gestresst bin, werde ich auch mal laut. Ich koch schnell hoch, aber auch schnell wieder runter. Zum Glück habe ich kein Problem damit, für Fehler gerade zu stehen.
Manchmal werde ich absolut unemotional in dem Moment, indem ich einen emotionalen Menschen sehe.
Ich bin oft inkonsequent.
Meine Wohnung könnte sauberer und aufgeräumter sein.
Ich komme nicht gut mit Zahlen und Bürokratie klar. Ich habe wenig Ahnung von Fußball und Autos.
Die Dinge, für die ich nicht brenne, interessieren mich nicht besonders.
Ich schaue keine Nachrichten.
Im Auto drehe ich die Musik oft ein wenig zu laut auf.
Ich fahre immer ein bisschen zu schnell.
Ich mache mir zu wenig Sorgen.
Ich vögel gerne. Viel. Zu laut.
Man könnte mich als Schlampe bezeichnen.
Ich finde es gut, wenn Menschen attraktiv sind.
Ich habe bereits Männer als Objekt behandelt und sexuell genötigt.
Ich hinterfrage alles und glaube gar nichts.
Ich stehe nicht gerne im Rampenlicht und habe eine soziale Phobie, weshalb ich Menschenmassen auf dem Weg gehe.
Ich führe oft Selbstgespräche.
Ich trinke gerne einen über den Durst und fange dann irgendwann an zu kichern.
Ich habe manchmal das Gefühl, irgendwem irgendwas beweisen zu müssen.
Manchmal habe ich das Gefühl, mit Männern mithalten zu müssen.
Manchmal habe ich das Gefühl, ich habe ein paar männliche Hormone zu viel abbekommen.
Ich rauche ab und an, wenn ich getrunken habe.
Ich wechsel dauernd den Radiosender, in der Hoffnung ein gutes Lied zu finden.
Ich bin ungeduldig.
Manchmal halte ich mich selbst für ziemlich toll und zeige das auch.
Man könnte das mit Sicherheit überheblich und selbstgerecht nennen.
Manchmal bin ich unhöflich. Dann unterbreche ich zum Beispiel mein Gegenüber mitten im Satz, weil mir eine Idee kommt oder mir langweilig ist.
Ich habe manchmal ein Problem damit, die Dinge zu Ende zu bringen.
Ich drücke mich vor unangenehmen Dingen.
Ich bin manchmal melancholisch.
Manchmal bin ich fast manisch. Und nie reicht es für eine handfesten psychopathologischen Befund.
Ich sehe mich gerne als anders, als individueller als der Rest.
Ich habe gerne Recht. Bin dabei auch mal ungerecht.
Manchmal weiß ich Dinge nicht, die ich wissen sollte.
Manchmal weiß ich nicht, was ich will.
Manchmal weiß ich nicht, wer ich bin.
Ich könnte manchmal netter sein.
Ich könnte mehr Komplimente verteilen.
Ich reagiere manchmal schnippisch und zickig, wenn mich jemand blöd von der Seite anquatscht.
Ich kann nicht immer gut mit Kritik umgehen.
Manchmal bin ich nicht sensibel genug und mache Witze an der falschen Stelle.
Ich zeige nicht gerne meine verwundbare Seite.
Ich zeige manchmal zu wenig, wer mir wirklich wichtig ist und dass ich ihn zu schätzen weiß.

(Falls noch jemand was ergänzen möchte, bitte die Kommentarfunktion nutzen)

Mein Grundeinkommen und blablablub

Liebe Freunde der leichten Unterhaltung,

hätte ich vor ein paar Tagen nicht (auf mehrfachen Wunsch einer einzelnen Person) (Hoppla – auf der Maustaste abgerutscht!) beschlossen, mein Sex-Leben hier nicht auszubreiten, würde an dieser Stelle natürlich eine alphabetische Auflistung sämtlicher Sexualpartner der letzten 10 Tage stehen (inkl. Bildmaterial, welches YouPorn neidisch werden lassen würde).

Stattdessen könnte ich euch erzählen, dass der „Dum spiro, spero“-Mann bald geht und ich irgendwie etwas betrübt bin, habe ich doch das Gefühl, wie hätten uns ein wenig besser kennen lernen sollen.
Ich könnte euch erzählen, mit welchen Männern aus meiner Vergangenheit ich wieder Kontakt pflege, aber so ein Cliffhanger ist natürlich auch was tolles.
Ich könnte auch von Doms erzählen, die devote Neigungen hegen, welche aber im Dunkeln bleiben müssen (schließlich will man sich ja nicht als Switcher outen…) oder von Bi-Männern, die ihre homophile Neigung ebenfalls unter Verschluss halten (hachja und DAS 2016!).
Ich könnte noch über Alphatierchen diskutieren und der Frage nachgehen, ob ich selber eines bin oder mich nur einfach so von Alpha-Männchen provoziert fühle (und warum dieses Alpha eigentlich oft auch vor der Bettkante aufhört).
Ich könnte auch erzählen, wie mich SEIN Satz zum Nachdenken gebracht hat
(„Aber wenn Du Dich nicht blenden lässt und Du nicht dieses dämliche „Tell me lies, tell me sweet litte lies“-Spiel mitspielen willst, dann wirst Du das zu schätzen wissen.“) und ich immer noch darüber nachdenken muss (will ich das/will ich das nicht? Bewusst oder unbewusst…).
Ich könnte noch von einer Hochzeit ohne Begleitung erzählen oder von meiner Jobsuche (Daumen drücken!), wenn ich schräg drauf wäre auch vom Affiliate Business oder den ersten Buchverkäufen oder einfach davon, wie sehr ich das Wort „Fötzchen“ hasse (ernsthaft: zu heiß gebadet worden oder was? Oder einfach der Omma zu oft in den Schritt gepackt? Hä?Häää???).

Stattdessen geh ich jetzt einfach nur ins Bett.

Achnein, halt:
Damit dieser Eintrag überhaupt einen Sinn hat:
Bei „mein Grundeinkommen“ ist fast das Geld für das 46. Grundeinkommen zusammen. Jeder, der Kohle hat, ist eingeladen zu spenden. Sind 12.000 Euro zusammen, wird ein jährliches Grundeinkommen (12×1.000 Euro) verlost.
Ich habe leider noch nicht gewonnen, gebe aber die Hoffnung nicht auf 😉
Also, alle mitmachen, in welcher Form auch immer! 🙂

Aufräumen

 

Erstmals wieder in der Wohnung.

Alleine in der Wohnung zerreißt mich die Stille.
Sie ist nicht angenehm, sie überwältigt mich.
Sitze auf dem Sofa und starre ins Nichts.

Da, wo er geweint hat und ich so kühl war, so unnahbar, da sitze jetzt ich und lasse den Tränen freien Lauf.
Dann denke ich, ich sehe hässlich aus, wenn ich weine.
Alle Leute sehen hässlich aus, wenn sie weinen. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der schön weint, außer im Film vielleicht. Er sah auch hässlich aus, als er so am Weinen war.
Ich kann hier nicht weiter sitzen.

Ich räume auf, beziehe das Bett neu, packe seine Sachen in eine Plastiktüte.
Ich verschätze mich, muss eine Größere holen.
Nachlässig und schlampig sieht der Stapel Klamotten in der Tüte aus.
Irgendwie wie wütend. Oder wie scheißegal.
Nichts trifft davon zu.
Ich bin nicht wütend und mir ist nichts scheißegal.
Fast möchte ich den Stapel neu ordnen, die Sachen neu zusammenlegen.
Aber mir fehlt die Kraft.
Und überhaupt bin ich kein ordentlicher Mensch.

Ich überlege, ob ich alles habe.
Gehe durch jedes Zimmer und suche und finde.
Lese nochmal die Whatsapp-Nachrichten. Ob da noch was stand, eine Auflistung der Sachen.
Den Schnaps kann ich behalten. Immerhin.
Mir fällt der Nachrichtenverlauf auf.
Die Änderung im Ton von vorgestern zu gestern.
Vorgestern heile Welt.
Gestern ein einziger Scherbenhaufen.

Ich räume weiter ein.
Alles in die Tüte. Alles weg aus meinem Blickfeld.
Am Ende auch die Tüte.
Möglichst weit weg, damit ich sie nicht immer sehen muss, wenn ich durch die Wohnung laufe.
In eine Ecke im Kinderzimmer, hinter dem Spielzelt. Wo sie niemanden auffällt.