20.9.: Klimastreik in 533 Städten

 

Guten Tag, liebe Gemeinde,

ich muss mich leider kurz fassen, da eines meiner Kinder sich in den Kopf gesetzt hat, mit Fieber, Husten und rotzender Nase um meine Aufmerksamkeit zu buhlen. Was ihm auch gelungen ist.
Insbesondere, da er seine Schmerzen mitteilt, indem er mich kratzt, beißt, kneift oder Lautsprecherboxen umstößt.
War zum Glück nicht meine.
Jedenfalls: Auch eine Form der Kommunikation.
Oder, wie man in der SM-Szene sagt: Ein ganz normaler Donnerstag.

Um zum Punkt zu kommen: Morgen ist Klimastreik. Das bedeutet, in bislang 533 Städten in Deutschland sind Streiks bzw. Demos geplant. Garantiert auch in deiner Nähe 😉
Sogar der Springer-Verlag gibt seinen Mitarbeitern frei, die Lage muss also wirklich ernst sein 😉

Natürlich kann man sich fragen, ob die Menschheit es überhaupt wert ist, gerettet zu werden. Schließlich könnte die Erde sich von uns erholen, Tiere und Pflanzen würden unseren Platz einnehmen und so wirklich vermissen, würde uns keiner.
Allerdings: Ich mag Menschen. So ganz allgemein gesprochen.
Ich habe zwar meine Zeit gebraucht, um mit meinen Mitmenschen warm zu werden, aber mittlerweile sind sie mir doch ans Herz gewachsen und irgendwie würden sie mir fehlen, wenn hier alles den Bach runter geht.

Ich würde mir also wünschen, das Morgen möglichst viele Menschen für unsere Zukunft auf die Straße gehen.

Weitere Infos zu den Streiks findest du unter
https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/

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Zwischen Tür und Angel

 

„Der F. war also von Geburt an so?“
– „Sieht so aus, ja. Aber erst mit einem Jahr ist das so langsam offensichtlich geworden, da sind wir dann erstmals im Krankenhaus gelandet. Vorher lief alles unter Anpassungsstörung, Dreimonatskoliken und sowas.“
„Muss schlimm sein, wenn man nichts weiß. Dieses Ungewisse, das an einen nagt.
Klar, bei uns war das auch so, direkt nach dem Unfall. Zuerst denkt man: Sie wird wieder aufwachen und dann gucken wir mal. Bisschen Therapie, Physio, Logo, je nachdem. Und dann vergehen die Tage, Tag um Tag verbringt man im Krankenzimmer und wartet und wartet. Aber sie wurde nicht wach. Nicht mal, als sie endlich die Augen öffnete.
Das ist so extrem, wenn du dieses Kind vor dir hast, das vor ein paar Tagen noch voller Leben war. Aufgeweckt, neugierig, ein ganz normales Kleinkind. Hat uns ganz schön auf Trab gehalten! Und geplappert hat sie wie ein Wasserfall.
Und plötzlich liegt das gleiche Kind vor dir und es bewegt sich nicht mehr und kann gerade noch selbstständig atmen und du verstehst das alles gar nicht. Wie kann man sowas auch begreifen?

Wissen Sie, ich kann so langsam nicht mehr.
Ich will sie nicht wieder in ein Heim bringen, wo sie in der Ecke vegetiert und niemand mit ihr rausgeht. Herrgott, diese Einrichtung lag inmitten einer Landschaft, das können Sie sie nicht vorstellen! Schön war’s da und ruhig, so mitten im Tal. Ich weiß doch, wie sehr sie die Natur liebt. Ganz ruhig wird sie, wenn ich mit ihr Spazieren gehe. Aber dort …

Das Essen haben sie ihr auch abtrainiert. Nur, weil sie ja eh schon die PEG liegen hatte und das natürlich einfacher ist. Schnell die Pampe durchjagen. Sie zu füttern kostet ja Zeit.
Können Sie sich vorstellen, wie lange ich nach dem Unfall gebraucht habe, ihr das Essen wieder beizubringen? Wie viel Mühe mich das gekostet hat?
Alles Mögliche hab ich ihr gekocht und klein gemacht, Rinderbraten mit Knödel, mit einer richtig guten Bratensoße, stundenlang hab ich für sie gekocht und das Ergebnis war bombastisch. Sie hat richtig Appetit bekommen. Natürlich hat sie langsam gegessen, gar kein Vergleich zu früher, aber sie hat gegessen. Das war das einzige, das nach dem Unfall zurückgekehrt ist, das einzige, was sie gelernt hat und ich habe es ganz alleine geschafft. Das hat mich wirklich stolz gemacht!
Und dann kommt sie in dieses Heim und das erste was sie machen, ist ihr das Essen abtrainieren.

So oft, wie ihr Leben schon auf der Kippe stand… Ein paar Häuser weiter, die Nachbarin, hatte auch einen Epileptiker. Der war ihr Sonnenschein, ihr Ein und Alles. Was für ein Aufheben sie um ihn gemacht hat, fast schon übertrieben. Auf Händen hat sie ihn getragen.
Ich glaube, er war 12 oder 13, als er gestorben ist. Das hat sie nie überwunden. Die geht noch immer jeden Tag zum Grab, obwohl das fast zehn Jahre her ist. Blass ist sie geworden. Ein Schatten ihrer selbst.
Ich frage mich, wie es mir ergehen würde.
Natürlich raubt mir die Pflege meine Kraft, alles leer, die komplette Energie geht drauf für Arbeiten und Pflegen. Aber es ist meine Aufgabe, verstehen Sie?! Mein Inhalt, meine Daseinsberechtigung. Wenn das weg fällt …

Das Haus hab ich umgebaut. Alles behindertengerecht gemacht. Ganz alleine, für alles andere reicht ja das Geld nicht. Wer soll sowas bezahlen?

Gewissheiten habe ich nicht. Ich weiß nie, was der Tag bringt. Das einzige, was ich weiß: Einer von uns wird am Ende tot hier rausgetragen: Entweder sie oder ich.“

Update

Guten Tag,
ich hoffe, Sie kennen mich noch.
Es wird wieder Zeit für den Stand der Dinge oder überhaupt, um mal wieder ein paar Worte auf den Bildschirm zu zaubern.

Die letzten Wochen habe ich vornehmlich mit der Betreuung der Frucht meiner Lenden verbracht.
Klingt lustig, ist es aber nur bedingt, da dieser Umstand vorsieht, dass sich mein physischer Körper bereits um 7:30 im Haus meines Exmannes einzufinden hat.
Das steht natürlich nicht in der Berufsbeschreibung des Mutterdaseins (na ja, vielleicht im Kleingedruckten, ich bin da etwas nachlässig).
Und so musste ich mir letzte Woche so frechformulierte Fragen wie: „Naaaa, wie war dein Urlaub?“ gefallen lassen, tzzz!

Um meinen, mit Kinderbetreuung ausgefüllten Tagesplan konsumgetreu zu kompensieren, bin ich seit einem Monat stolzer Besitzer einer Nintendo Switch sowie einer Playstation 4.
Ziel des Kaufes der beiden Konsolen ist es, langfristig auf andere Menschen verzichten zu können und immerwährend abzutauchen in eine niemals endende Welt der virtuellen Realität. Außerdem: Wer zockt, fährt schonmal kein Auto, also gut für unsere CO2-Bilanz.

Des Weiteren durfte ich feststellen, dass Spiele wie Mario Maker 2, in dem man eigene Super Mario Level herstellen kann, wundervoll geeignet sind, um meine sadistischen Tendenzen zu fördern und auszubauen.
An meiner eigenen Frustrationsgrenze hingegen muss ich wohl noch ein bisschen arbeiten…

Die Kinder

Entwickeln sich prächtig.
Während der eine seine Einschulungsfeierlichkeiten erfolgreich hinter sich gebracht hat, durfte der andere sich an seiner ersten Botox-Behandlung erfreuen. Man kann schließlich nie früh genug damit anfangen, sich Nervengift zu injizieren, nicht wahr?
Okay, die Ärzte sagen, es soll helfen, den Speichelfluss zu reduzieren. Wollen wir’s ihnen mal glauben.

Beziehungstechnisch

Immer noch poly-irgendwas oder wie mein Kleiner sagen würde: „Mama, gehst du eigentlich fremd?“

Momentane Gedanken:

Warum will Jens Spahn beatmete Intensivpatienten ins Heim stecken?

Wie sieht’s aus mit der Apokalypse, 50 Jahre? 100? Sterben wir alle oder gibt es eine kleine, elitäre Minderheit, die sich retten wird?
Konkret gefragt: Soll ich jetzt noch für’s Alter sparen oder lohnt sich das nicht mehr?
Oder doch besser in Konserven investieren?

Genetik oder die Unfähigkeit, den eigenen Wurzeln zu entkommen.
Wären meine Eltern Intellektuelle, würde ich intellektuelle Zusammenhänge besser verstehen? Würde mir das Lernen leichter fallen und könnte ich mich besser und länger auf eine Sache fokussieren?

Macht es Sinn jetzt noch zu studieren?
Wo ich gleichzeitig auf der Suche nach einem weiteren Teilzeitjob bin, um mir Dinge wie eine Wohnung mit Balkon und Urlaub im Sinne von „Ich übernachte in einem Hotel“ leisten zu können?
Schaffe ich das?
Vielleicht wäre es sinnvoll, erst den Punkt mit dem neuen Job und der Wohnung zu klären, bevor ich alles gleichzeitig versuche.

Was mache ich mit meinem Blog?
Schon lange würde ich gern etwas Neues starten, vielleicht einen Blog, der eher journalistische Absichten verfolgt oder sich zumindest auf externe Situationen bezieht, anstatt auf mein Privatleben. Gleichzeitig gibt es Momente, die ich gerne aufgrund ihrer Besonderheit und Intimität festhalten möchte, was sich hier allerdings auch nicht richtig anfühlt.

Tja, eigentlich hätte ich dann gerne noch einen humoristischen Blog, einen reflektierten und einen nostalgischen. Und überhaupt und sowieso und am Ende hätte ich gern so viele Blogs wie das Wolkenhaus von Janosch, das dann am Ende in sich zusammenkracht.
Ich hab sowieso keine Zeit.

Vorhaben:

Jobsuche. Was Sinnstiftendes, als Helfer in der Pflege.
Neue Wohnung: Mit Balkon.
Gesundheits-Check-Up – wird ab 35 alle drei Jahre übernommen
Ein Moskitonetz über dem Bett anbringen (nachdem mein Kleiner vorletzte Nacht ins Augenlid gestochen wurde, sieht er aus wie ein gescheiterter Boxer)
Die Wände weißeln, vielleicht hilft’s ja…

YouTube

Ich hab so meine Zeit gebraucht, um mit dir warm zu werden.
Vor vier, fünf Jahren habe ich YouTube höchstens genutzt, um mir das ein oder andere Musikvideo anzusehen oder ein „How to“-Clip über die richtige Vorgehensweise beim Umbau meines Autokindersitzes.
YouTube war aus meiner Sicht eher was für Kinder und Jugendliche, zumal ich Influencer bis heute für eine neumodische Krankheit halte.
Aber dann entdeckte ich ein paar Formate wieder, die sich vom Fernsehen verabschiedet und nun auf dieser Plattform etabliert hatten.

Allen voran: „Walulis“. Früher als „Walulis sieht fern“ bekannt und vor allem auf TV-Formate bezogen, die Philipp Walulis nebst Team unter die Lupe nahm und persiflierte. Heute sendet er zwei Clips die Woche meist zu Themen, die im Internet gerade heiß diskutiert werden.
Dass sein Humor bisweilen ein wenig „experimentell“ daherkommt, nehme ich ihm nicht übel.

 

Rocket Beans TV

Ein ganzer 24-Stunden-Kanal ist hier aus vier ehemaligen Giga-Moderatoren entstanden und versorgt seine Zuschauer mit Games, Filmbesprechungen und sonstiger Unterhaltung.
Simon, Nils, Etienne und Budi (und ihr großes Team) überzeugen immer wieder durch grandiosen Humor, Offenheit für Diskussion und mit viel Kreativität, oftmals in Form von kleinen, anarchistischen Improvisationen.
Der Sender mit ca. 100 Mitarbeitern finanziert sich durch ausgewählte Werbepartner und Spenden von Fans, größtes Ziel dabei ist die eigene Unabhängigkeit zu bewahren.
Fantastisch sind auch die von Hauke Gerdes geschriebenen Pen& Paper Abenteuer, die durch die vier leidenschaftlichen Moderatoren auch gerne mal aus dem Ruder laufen …

 

 

Ich selbst war schon immer jemand, der anderen gern beim Zocken zugesehen hat, vor allem, wenn das Spiel eine solide Geschichte bot. Heute gibt es immer mehr solcher Games, die vor allem durch das Storytelling bestechen, aber auch die audiovisuelles Umsetzung dieser Spiele weiß inzwischen zu überzeugen.
So hat Leander Haußmann in der Zeitschrift „ZeitWissen“ zum Beispiel ein leidenschaftliches Plädoyer für das Cowboy-Spiel Red Dead Redemption geschrieben.
Mich persönlich hat zuletzt das Spiel „Detroit Become Human“ in seinen Bann gezogen, ein Spiel, das seinen Reiz durch die vielen unterschiedlichen Handlungsverläufe bezieht, für die man sich bewusst oder unbewusst durch die Auswahl seiner Aktionen entscheiden kann. Der Spieler betrachtet die Geschichte also nicht als stiller Beobachter, sondern wird aktiver Part der Geschichte und taucht in den Charakter ein.

 

 

Die Filmanalyse
Wolfgang M. Schmitt besitzt keine Jeans und keine kurze Hose. Und das glaube ich ihm auf’s Wort.
Was der Literaturwissenschaftler und Filmkritiker zu sagen hat, fasziniert mich immer wieder durch Wortgewandtheit, Wissen und die Perspektive, die er bei seinen Besprechungen einnimmt.
Oftmals entlarvt er Filme als „neoliberalen Schwachsinn“, zitiert Slavoj Zizek und kritisiert den verborgenen Kapitalismus. Obwohl ich ihm eine gewisse Polemik nicht absprechen kann, empfinde ich seine Beiträge doch als sehr bereichernd.
Gerne ist er auch Gast beim Rocket Beans Format „Kino+“.

 

 

Das Kliemannsland

Fynn Kliemann ist Musiker, Bastler und Macher. Das Kliemannsland ist ein alter Bauernhof, den Fynn mit seinem Team zu einem Refugium für Künstler und Freigeister machen will.
Bei seinen diversen Basteleien zeigt Fynn sich mal mehr mal weniger geschickt, auf jeden Fall aber kreativ.

 

 

Zu MaiLab und Tilo Jung schreibe ich an dieser Stelle nichts weiter, spreche nur eine absolute Empfehlung aus und verweise auf den zuletzt veröffentlichten Beitrag.

 

Dann gibt es da noch STRG_F,
ein Team aus Journalisten, das Themen unterschiedlichster Gebiete beackert.
Spannend finde ich insbesondere das Video über die Spendensammler von WWF & co.

 

 

Oder die Sache mit den leerstehenden Wohnungen in Hamburg.

 

Zuletzt noch ein Hinweis auf den Kanal von Neomagazin Royale,
der uns mit Zusatzinhalten zur Sendung versorgt.
Ich liebe diesen Humor.

 

Politik Spezial

[Den Artikel habe ich vor drei Wochen verfasst, nur fehlte mir die Zeit zum Überarbeiten. Bitte seht es mir nach]

Ursprünglich als farbenfroher Frühlingsputz in meinem Oberstübchen gedacht, hat sich beim Schreiben dieses Beitrages herausgestellt, dass sich die meisten meiner herumspukenden Gedanken auf irgendeine Art und Weise mit Politik befassen.
Heute also ein Politik- Spezial meiner glorreichen Gedankenwelt.

 

Satire als politisches Mittel

Pro: Satire steigert die allgemeine Aufmerksamkeit im Bezug auf Politik bzw. politische Probleme. Humor dient hierbei als verbindender Faktor verschiedenster gesellschaftlicher Gruppierungen. Provokativer Humor als Türöffner für Diskussionen.

Kontra: Der Witz könnte falsch verstanden werden, Gruppen könnten sich benachteiligt oder verletzt fühlen, wenn sie im Zentrum eines Witzes stehen und ihn ernst nähmen. Die Weitergabe von neutralen Informationen könnte durch satirische Absichten verfälscht/verdreht werden, der Empfänger ist überfordert damit, den Wahrheitsgehalt herauszufiltern.

Ich glaube, Satire als Mittel jüngere Bevölkerungsschichten für das politische Geschehen zu interessieren, wurde lange unterschätzt. Humor ist ein Eisbrecher, der helfen kann politische Diskussionen anzustoßen.
Wer sich jedoch eingehender mit Politik befassen will, der kommt um (humorlose) Sachlichkeit wohl kaum herum.

Bezogen auf Die PARTEI empfinde ich es geradezu als Ausdruck unserer Demokratie, das eine solche Partei Mitglied des politischen Spektrums ist und auch sein darf.
Auch die neue Herangehensweise mit einem realpolitischen Kern gefällt mir.
Grundsätzlich sehe ich im satirischen Anspruch eine anarchistische Spiegelung des Lebens, chaotisch und absurd, während die Politik so verzweifelt um Ordnung bemüht ist, wie wir versuchen unser Leben in geordnete Bahnen zu lenken.
Dabei ist Chaos eigentlich ein Grundzustand, der nicht nur in meinem Hirn stattfindet, sondern auch in meiner Wohnung.

Soll ich also PARTEI-Mitglied werden?

Im Zuge der hessischen Landtagswahl hatte ich mir bereits Unterlagen der SPD und Der Grünen zukommen lassen.
Letztendlich konnte mich keine der beiden Parteien überzeugen. Die Arbeiterpartei war mir zu antiquiert, die Grünen (obwohl ich die Themen Umwelt und Klimawandel ungeheuer wichtig finde und der Partei grundsätzlich ihren Zuwachs von Herzen gönne) zu hipp. Neonfarben schrie mich diese stylische Informationsmappe an und na ja, wer mich kennt weiß, dass ich am Ende dann doch lieber auf der Seite der Verlierer stehe.
Die PARTEI ist also gerade unbedeutend genug, um mich zufriedenzustellen. Und ganz offensichtlich haben sie ein Frauenproblem, wenn die Parteispitze ausschließlich von Männern besetzt wird.

Von Nico Semsrott, der Sonneborn als zweiter nach Brüssel folgen soll, habe ich kürzlich ein interessantes Interview gesehen. Semsrott spricht dort ganz offen über Themen wie seine Depression, aber auch von seiner Zeit auf einem katholischen Gymnasium, die ihn nachdrücklich prägte und auch lehrte, was Meinungsfreiheit bedeutet. Von seiner Arbeit als Stand-Up-Comedien wolle er nun Abstand nehmen, da er sich dem kapitalistischen Kreislauf entziehen möchte (wie zum Beispiel Steigerung der Klickzahlen von Videos oder der Ticketveräufe bei Auftritten).
Durch und durch ein sehr spannender Charakter, den ich vorher nicht so wahrgenommen hatte.

Und wenn ihr schon bei Tilo Jung und dem Format „Jung & Naiv“ seid: Es gibt unfassbar viele sehr gute Interviews, die ich selbst erst kürzlich entdeckt habe.
Jung begibt sich (nicht nur) mit Politikern ins Gespräch, ohne selbst anbiedernd zu sein oder seinem Gegenüber die Worte in den Mund zu legen, dennoch ist er nicht passiv oder langweilig, ganz im Gegenteil. Er (ver-)urteilt nicht, sondern stellt fest, was mir besonders beim Interview mit Alexander Gauland positiv aufgefallen ist.
Ich denke, ich muss an dieser Stelle niemanden erklären, dass ich kein Fan der AfD bin, aber ich finde es für unsere Gesellschaft und für unsere Demokratie essentiell, dass wir einander zuhören anstatt auszugrenzen. Und eben dieses Interview findet auf beiden Seiten als Meinungsaustausch statt, wie ich ihn gerne verfolge, weil niemand sich etwaiger Polemiken oder politischem Leer-Geschwafel bedient.
Und journalistisch gesehen, finde ich es einfach richtig und wichtig alle Seiten perspektivisch zu beleuchten und anschließend dem Zuschauer die Möglichkeit einzuräumen, ein eigenes Urteil zu fällen.

Außer, er ist ein Nazi 😉

Politik vs. der mündige Bürger

Was wir nicht alles sollten: Weniger Plastik kaufen, auf Fleisch verzichten oder wenn, dann nur Bio, und lieber mit dem Rad fahren, als mit dem Auto die Umwelt zu verschmutzen.
Der mündige Bürger hat es doch in der Hand, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
Warum tut er es also nicht?

Wenn ich mich betrachte, liegt es an mehreren Faktoren, dass ich auf mein Auto nicht verzichten kann, jede zweiten Woche einen gelben Sack fülle oder dann doch das billige Hack vom Supermarkt hole: Geld, Zeit, Bequemlichkeit.
Einen Unverpackt-Laden gibt es hier nicht, unverpackte Sachen gibt es wenn, dann im Bioladen, aber der kostet natürlich mehr und ich kriege nicht alles, was ich brauche. Dann doch lieber ein Mal die Woche zum Discounter. Und solange der Sprit immer noch günstiger ist als die Fahrt mit der Bahn, die ohnehin 7 km von meiner Wohnung entfernt losfährt, ist mein Auto das Mittel der Wahl.

Im aktuellen ZeitWissen Mai/Juni geht es unter anderem um den Ausstoß von Kohlendioxid. Der Autor stellt fest, dass es nicht ausreicht, wenn der private Endverbraucher auf Ökostrom umsteigt, so lange immer noch Energie aus Kohle gewonnen wird: „Wenn der Klimawandel eine Folge des Wirtschaftssystems ist, braucht es politische Entscheidungen, die dieses System ändern.“
Ein gutes Beispiel sei England, hier habe man von 2014-2016 den Anteil an Kohlestrom von 30 auf 9 % senken können, dank einer Sonderabgabe von 20 Euro pro Tonne CO2, die britische Stromerzeuger produzierten.

Die Politik macht es sich, Lobbyismus sei dank, oft zu einfach, indem sie die Schuld beim Individuum sucht.
Natürlich bin ich der Meinung, dass man sein Handeln reflektieren sollte und tatsächlich versuche ich immer wieder auch gezielt weniger Fleisch konsumieren oder Energie zu sparen. Aber gerade beim Thema Klimawandel muss die Politik unbedingt eingreifen und handeln und kann die Verantwortung nicht komplett auf den Bürger abwälzen, auch wenn das in der Konsequenz bedeutet, unbeliebte Entscheidungen zu treffen.

[Passend dazu:]

 

Fakten vs. Meinung

Die Wissenschaftlerin meines Vertrauens heißt Mai Thi Nguyen-Kim und hat einen Doktortitel in Chemie. Auf YouTube erklärt sie mir und mehr als 100.000 Anderen die Welt durch die Brille der Naturwissenschaft und klärt nebenbei über die Methoden wissenschaftlichen Arbeitens auf.
Zwischen 1972 und 1985 sind in Niedersachsen die Anzahl der Storche ebenso gestiegen wie die Geburtsrate – ist das jetzt Korrelation oder Kausalität?
Ab wann kann ich wirklich einer Studie vertrauen?
Und wie gelingt eigentlich sachliches Argumentieren?

Eines der für mich interessantesten Videos dreht sich um das Erkennen von Fake-News:
Sobald wir uns politisch eine Meinung bilden und einem bestimmten Lager zuordnen, werden wir blind für Informationen, die nicht in unser Weltbild passen und interpretieren sie als Fake-News.
Hintergrund ist unser „Bias“. Das Bias sorgt dafür, dass wir Informationen für unglaubwürdig halten, solange sie nicht in unser Weltbild passen. Das gilt zum Beispiel auch für Verschwörungstheorien.
Interessanter Weise haben Studien ergeben, dass Menschen, die ein hohes Kognitionsbedürfnis haben, das heißt Menschen, die sich als rational bezeichnen und ihre Informationen meist aus vielen verschiedenen Quellen zusammensuchen, einen stärken Bias haben und eher auf Fake-News hereinfallen, als Menschen, die aufgrund ihres Bauchgefühls handeln.

 

Tja, wenn uns das jetzt nicht in eine tiefe Krise stürzt, weiß ich auch nicht 🙂

Vielleicht heißt das im Umkehrschluss einfach, dass wir uns immer ein klitzekleines Hintertürchen offen halten sollten für den Fall, dass wir uns irren.

Auf dem Podcast Deutschland 3000 gibt es ein tolles Interview mit Mai, in dem sie fordert, Politik sollte sich mehr mit Wissenschaft und Fakten befassen, schließlich könne es nicht sein, dass ein Verkehrsminister einfach falsche Aussagen von Lungenfachärzten übernimmt, ohne sie vorher wissenschaftlich gegenchecken zu lassen.
Auch sollte es Ziel der Wissenschaft sein, sich mehr in den Medien zu präsentieren und neue Erkenntnisse für jeden nachvollziehbar und begreifbar zu machen. Sie selbst habe Glück gehabt, dass ihr Doktorvater sie während der Promotion bekräftigt habe Videos für YouTube zu machen, das sei längst nicht immer der Fall.

Ich muss sagen, dass Mais Kanal für mich wirklich ein Glücksgriff ist. Das Internet ist überschwemmt von Meinungen und Trends und außerdem finden immer mehr chemikalische Erzeugnisse Einzug in Shops oder Supermärkten.
Da tut es gut jemanden zu haben, an den man sich halten kann.

Kleiner Einschub: Gerade erst habe ich Mais neustes Video gesehen, ein Reaction-Video, in dem sie sich mit Rezo, ebenfalls YouTuber, und seinem neusten Clip über den Klimawandel auseinandersetzt. Ich möchte das Video nicht vorwegnehmen, halte es aber unbedingt für sehenswert und möchte hier darauf hinweisen.
Nur so viel: Sie klärt die Fakten und räumt mit Missverständnissen auf. Auch die Folgen der Klimaerwärmung werden diskutiert.
Mit dabei, wie immer, sämtliche Quellenangaben.

 

Interessant übrigens auch Mais Idee, dass Politiker ihre Quellen offenlegen sollten, auf die sie sich bei ihrer Politik beziehen.
Ich kann mir vorstellen, dass das während einer Rede nicht ganz einfach sein würde, vor allem, wenn viele Quellen verwendet werden, aber generell würde ich mir eine gewisse Transparenz und Nachvollziehbarkeit schon wünschen, allein um Glaubwürdigkeit herzustellen.

 

Werte vs. Grundrechte

Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich befasst sich in seiner Arbeit mit dem Thema Konsum und Konsumtheorie.
Zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes geht er der Frage nach, warum wir heute eher über Werte sprechen, statt über Grundrechte. Dabei seien Werte erstmal nichts fest Definiertes.
Ein gutes Beispiel dafür liefere Annegret Kamp-Karrenbauer, die in einem Tweet forderte, dass Flüchtlinge unsere Werte akzeptieren müssen und dass wir für diese auch eintreten sollen.

Ullrich zitiert Claudius Seidl, der auf die ursprüngliche Bedeutung hinweist: lange Zeit wurden Werte mit materiellen Dingen gleichgesetzt und noch heute findet sich der Kern dieser Bedeutung in wirtschaftlichen Zusammenhängen wieder.
Ullrich spricht über Werteethik und – philosophie und zeigt, dass man einen Mangel an moralischen Werten durch bloßes Demonstrieren und Zurschaustellen kompensieren kann. Unsere Werte seien stark durch unsere heutige Kosumkultur geprägt, was sich am Ende negativ auswirkt auf die Menschen, die nicht Teil des Wohlstands sind.
Am Ende scheinen vor allem die Eliten sich die meiste Moral leisten zu können; so muss man sich ehrenamtliches Engagement ja auch erst einmal leisten können.
So, wie ich anfangs sagte, ich kann es mir nicht (immer) leisten Biofleisch zu kaufen oder mit der Bahn zur Arbeit zu fahren, kann ich also nicht nach den notwendigen moralischen Werten handeln. Und noch weniger fähig moralisch zu handeln sind diejenigen, die überhaupt nichts besitzen und/oder ums nackte Überleben kämpfen müssen.
Grundrechte dagegen gelten für alle Bevölkerungsschichten, sie grenzen niemanden aus und sind für alle gleich.
Deswegen solle laut Ullrich die Politik mehr aus der Perspektive des Grundgesetzes heraus argumentieren.

Fazit:

Ich glaube, wir brauchen eine Politik, die sich mehr mit Fakten, als mit Meinungen auseinander setzt.
Eine Politik, die von guten und vor allem unabhängigen Experten und Wissenschaftlern beraten wird.
Die Politiker selbst sollten ihre Quellen offenlegen, auf denen sie ihre Meinung beziehen.
Sie sollten ohne Provokationen und Polemiken auskommen.

Und Journalisten sollten sich nicht so sehr von Vorurteilen leiten lassen sondern zuhören und objektiv sein.

Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten nicht nur einer elitären Gruppe erklärbar gemacht werden, sondern allen Gesellschaftsschichten.

Und die Klimaerwärmung gibt’s wirklich.

Petition für bessere Versorgung in der ambulanten Pflege

Hallo Leute,

eigentlich wollte ich jetzt endlich meinen Beitrag raushauen, den ich vor den Europawahlen noch verfasst hatte, aber jetzt hat der hier oberste Priorität.

Letztes Jahr hatten ich und mein Exmann mit den Auswirkungen des Fachkräftemangels in der Pflege zu kämpfen. Über ein halbes Jahr wurde nur rund die Hälfte der Nachtwachen durch einen ambulanten Pflegedienst abgedeckt, die andere Hälfte mussten wir als Eltern selbst übernehmen.

Ich muss euch nicht sagen, was das für eine Familie bedeutet oder für einen einzelnen Menschen. Das sind keine ruhigen Nächte.
Wir haben noch Glück, dass unser Sohn sich in der Regel fängt und die Sauerstoffwerte nicht ins Bodenlose fallen, wir brauchen keine Angst haben, dass er die Nacht nicht überstehen könnte. In der Intensivpflege geht es oft deutlich bedrohlicher zu und es muss immer gewährleistet werden, dass jemand im Zimmer des Patienten ist und die Geräte im Blick hat, Sauerstoffwerte und Beatmungsparameter, dazwischen vielleicht Windeln wechseln, Sondennahrung verabreichen und das Sekret absaugen.
Und dann musst du am nächsten Tag wieder funktionieren.
Weil du einen Job hast und/oder noch andere Kinder da sind, um die du dich kümmern musst.

Jetzt gibt es seit Anfang des Jahres ein sogenanntes „Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz“, das einseitig stationäre Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser entlastet. Konkret fördert der Staat die Schaffung von 13.000 Stellen in der stationären Pflege sowie Tariferhöhungen in dem Bereich.
Die Folge ist nun eine Abwanderung der Pflegekräfte aus der häuslichen Pflege, die vorher schon nicht ausreichend besetzt war. Der Druck auf uns Angehörige wächst, die häusliche Situation verschärft sich zunehmend.

In dieser Petition geht es um eine Sicherstellung der häuslichen Intensivpflege für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
Es kann nicht sein, dass ein Pflegegesetz einseitig stationäre Einrichtungen unterstützt, während Angehörige in der häuslichen Pflege mit ihren schwerstkranken Kindern allein gelassen werden!

Die Mitzeichnungsfrist läuft noch bis zum 1.7.2019 und es werden noch dringend Stimmen benötigt, um der Bundesregierung die Ernsthaftigkeit der Situation zu vermitteln.

Vielen Dank.

Europawahl

Ein paar denkwürdige Zitate aus einem Interview mit Martin Sonneborn, Europaabgeordneter und Gründer der Partei Die PARTEI:

„Wir sind ein bisschen ab davon, rein satirisch zu agieren. Das anhaltende Sterben im Mittelmeer ist zu ernst, um witzig zu sein. Und ernst ist auch, dass das Thema sonst im inhaltsleeren Hochglanz-Wahlkampf der anderen Parteien keine Rolle spielt.
Ich hab kürzlich in einer Abstimmung die entscheidende Stimme für einen Bericht gegeben, der einfach nur besagt, dass es ein internationales Seenotrettungsabkommen gibt und Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet werden müssen.

Es wurde gerade erst ein EU-Haushalt verabschiedet, in dem erstmals mehr Geld für Waffenentwicklung, Grenzsicherung und Aufrüstung vorgesehen ist, als für Entwicklungshilfe. Ich sehe überall nur Abschottung, scheißegal, was da draußen passiert. Das kann kein Konzept sein, das über fünf Jahre hinaus funktioniert.

[…]

Das macht mich wütend. Es geht um Menschenleben. Manche EU-Politiker stellen ihr eigenes Karriere-Fortkommen darüber. Das verstehe ich nicht.“

Quelle: DerWesten

Am 26.5. findet die Europawahl statt.