Gesunde und nachhaltige Ernährung

Da ich öfter mal kränkele und in letzter Zeit einiges mit dem Tenor „wir essen uns krank“ gelesen habe, sah ich es an der Zeit, meine eigene Ernährungsweise zu hinterfragen. (Und natürlich hatte ich dabei auch Nickels Blockparade zum Thema Nachhaltigkeit im Alltag im Sinn. Und was ist alltäglicher als die Nahrung, die wir zu uns nehmen?!)
Bei meiner Recherche ging es darum, Lebensmittel zu finden, die wichtig sind für eine gesunde Ernährung, aber auch möglichst nachhaltig hergestellt bzw. angebaut und transportiert werden.
Und ich muss sagen: Es ist gar nicht so einfach, das alles unter einen Hut zu bekommen!

Fleisch

Zuerst habe ich festgestellt, dass mein genereller Fleischkonsum rund ein Drittel unter dem liegt, was der durchschnittliche Deutsche so konsumiert. Das ist ja schon mal nicht schlecht 🙂
Allerdings liege ich mit meinen rund 600g pro Woche im typisch weiblichen Durchschnitt, Männer verzehren im Schnitt doppelt so viel Fleisch. (Männer, hört auf damit! Passt euch der Frau an! Wenigstens dieses eine Mal!)

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Fleischkonsumenten einen Verzehr von maximal 300-600g pro Woche, womit ich an der oberen Grenze liege.
Wer kein Fleisch isst, sollte auf seinen Vitamin B12 achten, steht dort weiter.
Außerdem lerne ich, dass rotes Fleisch das Risiko auf Darmkrebs erhöht, dies sei bei weißem Fleisch bislang nicht nachweisbar. Allerdings habe ich einen leichten Eisenmangel, der sich leichter durch rotes Fleisch beheben lässt. Im Endeffekt esse ich aber beide Sorten gern und werde mich weiterhin abwechseln.

Nachhaltig betrachtet ist ein Verzicht von Fleisch natürlich die beste Lösung.
Neben der konventionellen Massentierhaltung gibt es aber auch Anbieter von Bio-Fleisch-Produkten. Sie stehen dafür, dass die Tiere mehr Auslauf bekommen, nicht mit genmanipulierter Nahrung gefüttert werden, mehr Platz in ihrem Stall haben und nicht präventiv mit Antibiotika und anderen Medikamente zugeballert werden. Achten sollte man mindestens auf das EU-Bio-Siegel, besser noch sind die Siegel von Vertragsverbänden wie Naturland, Demeter und und Bioland, da die in der Regel strengere Tierhaltungskriterien haben.

Zudem gibt es auch regionale Bauernhöfe, die in ihrem Hofladen, auf Wochenmärkten oder in aufgestellten Fleischautomaten ihre Waren feilbieten.
Bei mir in der Nähe gibt es ein paar kleinere Bauernhöfe, die tagsüber zugänglich, sodass man sich selbst von den Bedingungen vor Ort überzeugen kann.
Da die Zertifizierung solcher Höfe oft sehr zeit- und kostenintensiv ist, haben diese Höfe kein Biosiegel, können aber oft mit den Standards mithalten.

 

Die  Planetary Health Diet

37 Forscher aus 11 Ländern haben sich zusammengetan und anhand von Forschungsergebnissen einen Speiseplan entwickelt, der gesund und zeitgleich nachhaltig sein soll. Dabei ist anzumerken, dass die berechneten Werte einem durchschnittlichen Kalorienbedarf von 2500 kcal zugrunde liegen, was je nach Tätigkeit, Größe und Gewicht zu viel oder zu wenig sein kann.
Ich habe im Internet meinen Kalorienbedarf grob ermittelt und komme tatsächlich auf etwa 2500 kcal.

Natürlich gibt es auch Kritikpunkte gegen diese Art von Speiseplan, da er regionale Anbaumöglichkeiten nicht inkludiert. So lassen sich manche Lebensmittel nicht ohne aufwendige Exporte beschaffen und in Teilen der Erde würde dieser Plan einen enormen Ernährungswandel mit sich bringen, der schon relativ utopisch scheint.

Mehr Informationen zur Planetary Health Diet:
https://www.bzfe.de/inhalt/planetary-health-diet-33656.html

Befolgt man aber den errechneten Speiseplan, so kommt man im Schnitt auf 300g Fleisch pro Woche, die man essen darf.
Da ich mittlerweile gerne mal Fleisch durch Gemüse oder Sojaprodukte austausche, möchte ich die 300g nun für mich als Ziel festlegen und halte das durchaus für realistisch.
Ich kann konsequenter darüber nachdenken, in welchen Gerichten ich wirklich Fleisch brauche, ob ich das Fleisch nicht durch Gemüse oder andere Lebensmittel ersetzen kann und wenn ich doch Fleisch nehme, wie z.B. bei einer Bolognesesauce – dann benutze ich eben nur halb so viel Gehacktes.
Und: Wer weniger Fleisch kauft, kann sein Geld auch leichter für Bioqualität ausgeben.

Hülsenfrüchte

Bleiben wir bei der Planetary Health Diet (wem das zu unseriös ist, der findet bei den 10 Regeln der DGE ähnliche Angaben).
Wie ich schon des Öfteren gelesen habe, wird auch hier ersichtlich, dass Hülsenfrüchte eine nicht unerhebliche Rolle bei gesunder und nachhaltiger Ernährung spielen. Sie sind geradezu ideal: Eiweißreich, dabei kalorienarm und regional.
Ich muss zugeben, dass ich Hülsenfrüchte in meinem Speiseplan bisher sträflich vernachlässigt habe. Jetzt habe ich mir vorgenommen, öfter mal eine Bohnen- oder Linsensuppe zu kochen oder einen Eintopf zu machen. Allerdings habe ich auch festgestellt, dass ich als Allergikerin grüne Bohnen nicht so gut vertrage, zumindest nicht, wenn ich diese als Hauptzutat in einem Eintopf gare. Ich werde in Zukunft versuchen, ob ich stattdessen nur eine handvoll Bohnen in mein Essen gebe, vielleicht lasse ich sie aber auch ganz weg und koche stattdessen mit Linsen oder Erbsen.
Der Anbau von Hülsenfrüchten spielt in Deutschland keine große Rolle, weshalb man sie eher auf Wochenmärkten und Bioläden findet, getrocknete Linsen und Bohnen aus dem Supermarkt sind fast ausschließlich importiert.

Nüsse

Auch Nüsse gehören mit rund 350g pro Woche (also noch über dem Fleischanteil!) unbedingt auf den Speiseplan.
Aber: Obwohl Mandel-, Walnuss- und Haselnussbäume zum Teil hier auch gedeihen können (insbesondere in milden Weinanbaugebieten), gibt es quasi keinen Markt dafür. Nüsse sind in Deutschland ein Importgut, d.h. es müssen leider größere Strecken zurückgelegt werden, damit wir unsere Nüsse zu uns nehmen können. Trotzdem gibt es auch da faire, biologische Anbaugebiete.

Milch und Milchprodukte

Milchprodukte dagegen, die mit 250g pro Tag im Speiseplan der Planetary Health Diet vorgeschlagen werden, lassen sich problemlos regional einkaufen. In meinem Ort habe ich nun im Eingang eines örtlichen Supermarktes eine Milchtankstelle für mich entdeckt. Hier landet die frische Milch eines kleinen, regionalen Bauernhofes. Die Milch ist nicht älter als 24 Stunden und wird bereits pasteurisiert angeliefert, d.h. sie wurde kurzzeitig auf über 72 Grad erhitzt, um schädliche Keime abzutöten. Die langlebige Milch aus dem Supermarkt wird hingegen ultrahocherhitzt.
Trotzdem hält sich die frische Milch immerhin noch eine ganze Woche.
Abgefüllt wird in wiederverwendbaren Glasflaschen. Und sie schmeckt richtig gut 🙂

Ich habe mir jetzt noch eine Fetttrennkanne bestellt, damit ich den Rahm besser abfangen und als Sahne verwenden kann. Außerdem habe ich mir einen stromlosen Joghurt-Maker besorgt, mit dem ich leckeren Joghurt aus der Milch machen kann.

In Hessen gibt es mittlerweile eine nicht unerhebliche Summe kleinerer Milchtankstellen.

Natürlich gibt es auf dem Markt auch unzählige Milchersatzprodukte.
Bedenkt man das Thema Nachhaltigkeit, ist man schnell ernüchtert. Laut Ökotest ist die nachhaltigste Alternative die Hafermilch. Die lässt sich immerhin auch leicht selbst herstellen und mit etwas Rapsöl soll sie sogar aufschäumbar sein. Sagen kann ich dazu aber noch nichts.
Allerdings habe ich letztens ein Porridge aus Hafer gemacht – und empfand es als relativ bitter. Trotzdem würde ich mit dem Rest der Flocken mal eine Hafermilch selbst herstellen wollen.

Fette und Öle

Weiterhin ist auch die Menge an ungesättigten Fettsäuren, wie in Oliven- oder Rapsöl, nicht unerheblich: 40g pro Tag werden bei der Planetary Health Diet im Schnitt empfohlen – mehr als Süßungsmittel, von denen wir nicht mehr als maximal 31g zu uns nehmen sollten.

Dass die Menge an ungesättigten Fettsäuren wichtig ist, zeigt sich auch an Studien wie der, zur Lebenserwartung in Deutschland. Es zeigt sich, dass Deutschland europaweit Schlusslicht im Bezug auf die durchschnittliche Lebenserwartung ist, was u. a. auf falsche Ernährungsgewohnheiten hinzuweisen sei. Zielführender sei eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und fettem Fisch.

Tatsächlich empfiehlt auch die Planetary Earth Diet einen Fischverzehr von etwa 200g pro Woche. Dabei sollte man unbedingt darauf acht geben, Fisch mit MSC-Siegel zu kaufen. Auch das ASC, Naturland- oder Bioland-Siegel kann eine Orientierung geben.
Leider ist das Thema Fisch wegen der Überfischung der Weltmeere ein schwieriges Thema, weshalb es umso wichtiger ist, sich an solche Siegel zu halten.

Einkaufsratgeber WWF zum Thema Fisch und Meeresfrüchte

 

Obst und Gemüse

Rund 300g Gemüse und 200g Obst sollten wir täglich zu uns nehmen.
Um das Klima zu schonen, sollte möglichst regional und saisonal gekauft werden, es lohnt sich also, einen Saisonkalender für Obst und Gemüse zur Hand zu haben. Den findet man aber ohne weiteres bei Tante Google. Abwechlungsreich sollte das Gemüse sein, rotes Gemüse bietet z.B. andere Nährwerte als grünes.
Außerdem ist Obst nicht gleich Obst: Bananen, Kirschen oder Ananas sollte man durch den hohen Fruktosegehalt etwa mit vorsichtig genießen, wie etwa Matthias Riedl in einem Focus-Interview angibt. Gleiches gälte für Kartoffeln, Nudeln und Reis. Zudem essen wir zu oft zwischendurch, anstatt uns einfach drei Mal am Tag satt zu essen. Das begünstige unter anderem die Entwicklung von Diabetes.

Vollkorngetreide

Ein wichtiger Punkt bei dem Planetary Helath Diet ist das Vollkorngetreide, von dem wir im Schnitt 232g am Tag zu uns nehmen sollen. Vollkorn heißt, die gesamten Bestandteile des Korns müssen noch da sein, nur nicht essbare Teile wie Hülsen und Spelzen werden entfernt.
Vollkorn enthält mehr Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe als fein gemahlenes Korn, beugt Diabetes vor und reguliert die Darmflora, allerdings sind auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten möglich.
Feingemahlenes Mehl enthält mehr Stärke, dafür weniger Nährstoffe.

In Deutschland werden vor allem Weizen und Gerste angebaut, es folgen Roggen, Mais und Hafer.
Reis und echte Hirse werden nicht in Deutschland angebaut.
In diesem Wikipedia-Artikel gibt es auch eine schöne Tabelle, in der die einzelnen Nährstoffe aufgelistet sind.

Die Zuckerfalle

31g sind laut Planetary Health Diet die maximal empfohlene Menge an Süßungsmitteln, die wir zu uns nehmen sollten. Dabei ist es vollkommen wurscht, ob der Zucker jetzt aus ganz normalem Haushaltszucker, Rohrzucker, industriell hergestelltem Fruchtzucker, Honig, Agavendicksaft oder sonstwoher kommt.
Daher sollte man skeptisch sein, wenn bei Rezepten einfach Zucker durch Sirup o. ä. ausgetauscht wird und das Rezept dann als „gesund“ verkauft wird.
Tatsächlich ist Zucker sehr oft in industriell hergestellten Waren zu finden.

 

Fertigprodukte

Bei Fertigprodukten wird nicht nur oft unnötiger Zucker hinzugefügt, sie enthalten auch chemische Wirkstoffe, die die Lebensmittel länger haltbar machen. Um einen besseren Überblick über die Stoffe zu behalten, die ich so zu mir nehme, möchte ich zum Beispiel öfter Brot und Brötchen selber machen. Letzte Woche habe ich mich an einem No-Knead-Bread (Brot ohne Kneten) gemacht, dass bei mir ebenso wie bei meinem Kleinen sehr gut ankam. No-Knead-Brote werden lediglich mit einem Holzlöffel verrührt und müssen dann über Nacht gären (ca. 17 Stunden stand in meinem Rezept). Dann nochmal für eine Stunde in der Backform, bevor sie für 50 Minuten im Ofen gebacken werden. Ein – für mich – recht überschaubarer Aufwand.

Die Lebensmittelpyramide

Ich habe damals in der Schule noch gelernt, dass das Fundament der Lebensmittelpyramide aus Getreide und Getreideprodukten (Nudeln, Reis) sowie aus Kartoffeln besteht.
Erst danach kamen Obst und Gemüse.
Heute sieht das anders aus – beide Sparten haben die Plätze getauscht.
Für mich ist das schon eine große Umstellung und ich muss mich noch daran gewöhnen, deutlich mehr Gemüse einzukaufen. Seit über einem Jahr bin ich aber auf einen guten Weg, breche aus meinen festgefahrenen Essgewohnheiten aus und kaufe wieder mehr Gemüse.
Ich glaube, man braucht schon Lust auf was Neues, einen Hang zum Experimentieren, um sich auf neue Rezepte und eine neue Lebensweise einzustellen.
Ich verfüge zum Glück über beides 🙂

Tatsächlich sind Zeit und Geld aber auch limitierende Faktoren, wenn es um das Thema gesunde Ernährung geht.
Momentan habe ich die Zeit, mir Gedanken über eine gesunde Ernährung zu machen, nach neuen Rezepten zu schauen und Dinge selbst herzustellen, die ich sonst gekauft hätte. Wer aber 40 Stunden die Woche arbeitet, plus Fahrtzeit, Haushalt, Kochen und vielleicht noch Familie – der wird sich nicht so leicht tun.
Und auch 7kg Obst und Gemüse vom Biomarkt kosten ihr Geld (bezogen auf einen Zwei-Personen-Haushalt), nicht zu reden von Fleisch, Fisch und anderen biologisch angebauten Lebensmitteln.

Getränke

1,5 Liter sollte jeder Erwachsene mindestens zu sich nehmen, am besten natürlich in Form von zuckerfreien Getränken. Bei mir ist das ganz einfach, ich trinke hauptsächlich Wasser und Tee, morgens meist noch 1- 2 Tassen Kaffee.
Da ich das Kistenschleppen leid war, habe ich mir einen Trinkwassersprudler besorgt. Manchmal bin ich aber auch faul, tue es meinem Sohn gleiche und trinke einfach nur Leitungswasser 🙂

Allerdings muss ich zugeben, dass ich einen Wasserfilter benutze, der monatlich gewechselt werden muss. Dieser enthält mehr Plastik, als mir lieb ist. Allerdings ist das Wasser hier sehr kalkhaltig, ein Umstand, an dem schon meine letzte Kaffeemaschine verstarb. Alternativ müsste ich sehr oft entkalken, was dann wieder den vermehrten Einkauf von Entkalkungsprodukten zur Folge hätte – für mich gehupft wie gesprungen.
Bis zum Sommer bin ich noch mit Wasserfiltern versorgt, ob ich dann nochmal neue anschaffe, werde ich mir bis dahin gut überlegen.

Persönliche Ziele

Zu den obersten Zielen gehört das Selbermachen von Produkten, die ich sonst industriell gefertigt kaufen würde. Allen voran Joghurt, Brot und Brötchen. Aber auch an anderen Milchprodukten wie Quark und Butter will ich mich versuchen und ich möchte meine Brotaufstriche selbst zubereiten.

Trotzdem steht für mich außer Frage, dass ich ab und an auch mal Junkfood kaufen werde, wenn auch nur in Ausnahmefällen.

Außerdem möchte ich meinen Fleischkonsum weiter reduzieren und dafür bei meinem Metzger des Vertrauens einkaufen.
Ich will mehr Hülsenfrüchte und Nüsse zu mir nehmen und nachhaltig gefangene Fische essen.
Und ich will möglichste viele dieser Lebensmittel regional einkaufen, zum Beispiel auf dem Wochenmarkt oder im Bioladen.

„Bring mir einen Beweis, dass du ein Mensch bist“ – Review zu „Capernaum“

Ein Pass, eine Geburtsurkunde, irgendetwas, das ihn als „ein Mensch“ ausweist, genau das soll der 12 jährige Zain besorgen damit der Händler ihn fort von hier bringen kann, in ein Land, in dem es noch Hoffnung gibt. Als Gegenleistung braucht es nicht weniger als Zains einjährigen Schützling, denn in den Slums von Beirut, Libanon, bestimmt der Markt über den Wert eines Menschenlebens.

Aber von Anfang an: Der Film „Capernaum“ beginnt mit der Rahmenhandlung, die Zain im Gericht zeigt. Er selbst sitzt wegen einer Messerstecherei ein, klagt nun aber seine Eltern an. Der Grund: Sie haben ihn auf die Welt gebracht. Und dann beginnt Zain seine Geschichte zu erzählen.

Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es geht um bittere Armut in einer Welt, in der man schon froh sein kann, etwas Wasser, ein wenig Nahrung und ein Dach über dem Kopf zu besitzen. Es geht um Eltern, die sich nicht um ihre Kinder kümmern (können), um Kinder, die arbeiten müssen, anstatt in die Schule zu gehen, um Überbevölkerung, Gewalt und Ungerechtigkeit.

„Capernaum“ ist ein unangenehmer Film, dem man sich nicht entziehen kann, auch wenn man immer wieder hofft, er möge bald vorbei sein. Doch zumindest das Ende versöhnt ein wenig, auch wenn man sich bewusst machen sollte, dass die Realität vermutlich anders aussähe.

Der Hintergrund

Dass die Geschichte fiktiv ist, tritt kaum ins Gewicht.
Über ein halbes Jahr drehte die libanesische Regisseurin Nadine Labaki in den Beiruter Ghettos. Um authentisch zu bleiben, wurden für den Dreh keine Straßen gesperrt, Originalschauplätze verwendet und die Rollen wurden mit Laiendarfstellern aus den Elendsvierteln besetzt. Allen voran Zain Al Raffeea, der als syrischer Flüchtling im Alter von 8 Jahren mit seiner Familie in den Libanon floh. Gerade diese Authentizität macht es wohl aus, dass er seine Rolle so gut spielt. Labaki habe ihm dabei viel Spielraum zum Improvisieren gegeben und gerade das Verhältnis zu seinem Schützling musste sich ganz natürlich ergeben, wie sie in einem Interview anmerkte.
Yordanos Shiferaw, die ebenfalls eine Hauptrolle spielt, wurde sogar während der Dreharbeiten sogar tatsächlich wegen fehlender Papiere inhaftiert und musste für zwei Wochen einsitzen, wie sie unter Tränen Pressekonferenz von Canal+. Eine traumatische Erfahrung.

Seit 2018 lebt Zain Al Raffea mit seiner Familie in Norwegen, sie alle gingen nun zur Schule, wie es in einem anderen Interview hieß. Für Zain sicherlich ein Kulturschock, zumal er von den Slums in Beirut direkt auf die roten Teppiche der Welt gebracht wurde.
Interessant zu sehen, wie wenig der Hype um seine Person ihn interessiert. Tatsächlich wirkt er bei vielen Interviews eher gelangweilt. Verständlich, müssen doch die Fragen meist erst mühsam hin und her übersetzt werden und welcher 14 jährige träumt schon davon, immer wieder von Erwachsenen mit den gleichen Fragen gestellt zu bekommen?
Auch wenn sich bei mir als Zuschauer die Erwartung eingeschlichen hat, er hätte uns eine höhere Botschaft, eine Moral mitzuteilen, so stellt sich heraus, dass Zain nur ein ganz normaler Junge ist.
Die eigentliche Botschafterin ist Labaki – denn sie kennt beide Welten.

So erzählt sie auch von den Gesprächen mit anderen Straßenkindern, deren Eindrücke sie einsammeln wollte. Am Ende fragte sie stets, wie glücklich die Kinder seien.
Kaum eins wollte ich so bezeichnen, laut Labaki antworteten über 90% sie seien unglücklich, fragten sich, warum sie überhaupt auf der Welt seien oder wünschten sich zu sterben.
Ein Grund mehr für diesen Film.
Dabei ging es laut Labaki nicht darum, die Schuld (ausschließlich) bei den Eltern zu suchen, Schuld seien alle, alle, die Tag für Tag wegsehen und nichts tun gegen die Ungerechtigkeit in den Elendsvierteln der Welt.

Capernaum ist momentan in der Amazon Prime-Mitgliedschaft enthalten oder auf DVD/Blu-ray erhältlich.

Bloggen ist das, was möglich ist

 

„Ja, wir könnten jetzt was gegen den Klimawandel tun, aber wenn wir dann in 50 Jahren feststellen würden, dass sich alle Wissenschaftler doch vertan haben und es gar keine Klimaerwärmung gibt, dann hätten wir völlig ohne Grund dafür gesorgt, dass man selbst in den Städten die Luft wieder atmen kann, dass die Flüsse nicht mehr giftig sind, dass Autos weder Krach machen noch stinken und dass wir nicht mehr abhängig sind von Diktatoren und deren Ölvorkommen. Da würden wir uns schön ärgern.“

Marc-Uwe Kling (Die Känguru-Chroniken)

Mja, soweit kommt es ja nun doch nicht. Also: dass wir „aus Versehen“ was gegen den Klimawandel machen. Wir können also weiterhin ganz gemütlich an unserem Daiquiri schlürfen und zusehen, wie die Welt langsam aber sicher den Bach runter geht.
Wenn ich jetzt nicht genau wüsste, dass ich mindestens einen Leser erwische, der sich in seiner chronischen Lethargie jetzt auch noch bestätigt fühlt, würde ich den Satz so stehen lassen. Da ich aber gern in Bewegung bleibe und Aufgeben noch nie eine Option war, sage ich: Nein! Das kann nicht sein so!

Aber spulen wir erstmal kurz zurück.

Donnerstag Nacht beriet sich das Klimakabinett, um nach einer Lösung für unser Klimaproblem zu suchen. Denn, wie wir ja alle wissen, ist man nachts, wenn man normalerweise schläft, viel aufnahmefähiger und kann sich prima konzentrieren. Darum wendet man Schlafentzug auch so gerne als Folter an.
Das Ende vom Lied:

„Politik ist das, was möglich ist“

Merkel schafft es gekonnt, die Ergebnisse des Klimakabinetts in genau diesen einen Satz zusammenzufassen.
Der Co2-Preis pro Tonne soll ab 2021 10 Euro kosten, ab 2025 soll der Preis auf 35 Euro steigen. Zu gering, um sich tatsächlich marktwirtschaftlich auszuwirken und eine Lenkungswirkung bei der Bevölkerung zu erzielen, wie Merkel selbst zugibt. So wird z.B. der Liter Benzin ab 2021 ungefähr 3 Cent teurer und ab 2025 ca. 12 Cent, eine Steigerung, die ich gerade am Ferienbeginn sowieso schon zu spüren bekomme. Ob das reicht, um Menschen vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umzuleiten bleibt fraglich, zumal im Gegenzug die Pendlerpauschale um 5 Cent pro Kilometer angehoben wird.
Klimaexperten sind sich jedenfalls einig, dass der Einstieg mit 10 Euro viel zu niedrig angesetzt ist und lediglich einen symbolischen Charakter haben kann. Die im Pariser Abkommen für 2030 gesteckten Ziele jedenfalls, wird Deutschland auf diese Weise ebenso verfehlen wie für 2020.

Unterdessen warnt der Weltklimarat mit seinen neusten Ergebnissen vor dem Steigen der Meerestemperaturen, das das Abschmelzen der Polkappen zur Folge haben werde. Bis 2100 werde der Meeresspiegel voraussichtlich um mindestens einen Meter steigen, schon in den nächsten 30 Jahren wären Küstenregionen durch Unwetter und Springfluten bedroht, extreme Unwetter könnten folgen, etwa eine Milliarde Menschen seien in Gefahr – wenn die Politik nicht eingreift.

„Politik ist das, was möglich ist“ – nach diesen ernüchternden Ergebnissen ist das also nicht viel und wir erleben gerade mit Schrecken die Handlungsunfähigkeit einer Regierung, die ganz offensichtlich einen Kompromiss sucht, dessen kleinster gemeinsamer Nenner die oberflächliche Befriedigung des schlechten Gewissens ist, in Wahrheit aber ein (beinahe-) Stillstand.

Ich persönlich würde mir mehr eine wissenschaftlich geprägte Regierung wünschen, die statt auf Lobbyismus, auf das Wohl der Menschen setzt. Doch jetzt, wo es vor allem darum geht niemanden auf die Füße zu treten, wird bis zum Ende der Regierungszeit wohl nicht mehr viel passieren. Es bleibt auf die kommende Bundestagswahl 2021 zu hoffen.

Achso, ich habe euch ja noch versprochen, euch aus eurer Lethargie zu befreien.
Schaut euch das mal an. Wie geil ist das denn: Hunderttausende waren am Freitag allein in Deutschland auf den Straßen, um für mehr Klimaschutz zu kämpfen! Und Millionen weltweit!

Außerdem, Hausaufgabe:
Nickel startet eine Blogparade zum Thema „Nachhaltigkeit im Alltag.“
Da können wir uns alle mal ein paar schlaue Gedanken zu machen, vielleicht hat der eine oder andere schon gute Tipps auf Lager.
Vergesst nicht: Der Einzelne ist nicht egal. Denkt an den Schmetterlingseffekt!
Jeder Einzelne kann was tun, nicht weil er muss, sondern weil er will 🙂

20.9.: Klimastreik in 533 Städten

 

Guten Tag, liebe Gemeinde,

ich muss mich leider kurz fassen, da eines meiner Kinder sich in den Kopf gesetzt hat, mit Fieber, Husten und rotzender Nase um meine Aufmerksamkeit zu buhlen. Was ihm auch gelungen ist.
Insbesondere, da er seine Schmerzen mitteilt, indem er mich kratzt, beißt, kneift oder Lautsprecherboxen umstößt.
War zum Glück nicht meine.
Jedenfalls: Auch eine Form der Kommunikation.
Oder, wie man in der SM-Szene sagt: Ein ganz normaler Donnerstag.

Um zum Punkt zu kommen: Morgen ist Klimastreik. Das bedeutet, in bislang 533 Städten in Deutschland sind Streiks bzw. Demos geplant. Garantiert auch in deiner Nähe 😉
Sogar der Springer-Verlag gibt seinen Mitarbeitern frei, die Lage muss also wirklich ernst sein 😉

Natürlich kann man sich fragen, ob die Menschheit es überhaupt wert ist, gerettet zu werden. Schließlich könnte die Erde sich von uns erholen, Tiere und Pflanzen würden unseren Platz einnehmen und so wirklich vermissen, würde uns keiner.
Allerdings: Ich mag Menschen. So ganz allgemein gesprochen.
Ich habe zwar meine Zeit gebraucht, um mit meinen Mitmenschen warm zu werden, aber mittlerweile sind sie mir doch ans Herz gewachsen und irgendwie würden sie mir fehlen, wenn hier alles den Bach runter geht.

Ich würde mir also wünschen, das Morgen möglichst viele Menschen für unsere Zukunft auf die Straße gehen.

Weitere Infos zu den Streiks findest du unter
https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/

Zwischen Tür und Angel

 

„Der F. war also von Geburt an so?“
– „Sieht so aus, ja. Aber erst mit einem Jahr ist das so langsam offensichtlich geworden, da sind wir dann erstmals im Krankenhaus gelandet. Vorher lief alles unter Anpassungsstörung, Dreimonatskoliken und sowas.“
„Muss schlimm sein, wenn man nichts weiß. Dieses Ungewisse, das an einen nagt.
Klar, bei uns war das auch so, direkt nach dem Unfall. Zuerst denkt man: Sie wird wieder aufwachen und dann gucken wir mal. Bisschen Therapie, Physio, Logo, je nachdem. Und dann vergehen die Tage, Tag um Tag verbringt man im Krankenzimmer und wartet und wartet. Aber sie wurde nicht wach. Nicht mal, als sie endlich die Augen öffnete.
Das ist so extrem, wenn du dieses Kind vor dir hast, das vor ein paar Tagen noch voller Leben war. Aufgeweckt, neugierig, ein ganz normales Kleinkind. Hat uns ganz schön auf Trab gehalten! Und geplappert hat sie wie ein Wasserfall.
Und plötzlich liegt das gleiche Kind vor dir und es bewegt sich nicht mehr und kann gerade noch selbstständig atmen und du verstehst das alles gar nicht. Wie kann man sowas auch begreifen?

Wissen Sie, ich kann so langsam nicht mehr.
Ich will sie nicht wieder in ein Heim bringen, wo sie in der Ecke vegetiert und niemand mit ihr rausgeht. Herrgott, diese Einrichtung lag inmitten einer Landschaft, das können Sie sie nicht vorstellen! Schön war’s da und ruhig, so mitten im Tal. Ich weiß doch, wie sehr sie die Natur liebt. Ganz ruhig wird sie, wenn ich mit ihr Spazieren gehe. Aber dort …

Das Essen haben sie ihr auch abtrainiert. Nur, weil sie ja eh schon die PEG liegen hatte und das natürlich einfacher ist. Schnell die Pampe durchjagen. Sie zu füttern kostet ja Zeit.
Können Sie sich vorstellen, wie lange ich nach dem Unfall gebraucht habe, ihr das Essen wieder beizubringen? Wie viel Mühe mich das gekostet hat?
Alles Mögliche hab ich ihr gekocht und klein gemacht, Rinderbraten mit Knödel, mit einer richtig guten Bratensoße, stundenlang hab ich für sie gekocht und das Ergebnis war bombastisch. Sie hat richtig Appetit bekommen. Natürlich hat sie langsam gegessen, gar kein Vergleich zu früher, aber sie hat gegessen. Das war das einzige, das nach dem Unfall zurückgekehrt ist, das einzige, was sie gelernt hat und ich habe es ganz alleine geschafft. Das hat mich wirklich stolz gemacht!
Und dann kommt sie in dieses Heim und das erste was sie machen, ist ihr das Essen abtrainieren.

So oft, wie ihr Leben schon auf der Kippe stand… Ein paar Häuser weiter, die Nachbarin, hatte auch einen Epileptiker. Der war ihr Sonnenschein, ihr Ein und Alles. Was für ein Aufheben sie um ihn gemacht hat, fast schon übertrieben. Auf Händen hat sie ihn getragen.
Ich glaube, er war 12 oder 13, als er gestorben ist. Das hat sie nie überwunden. Die geht noch immer jeden Tag zum Grab, obwohl das fast zehn Jahre her ist. Blass ist sie geworden. Ein Schatten ihrer selbst.
Ich frage mich, wie es mir ergehen würde.
Natürlich raubt mir die Pflege meine Kraft, alles leer, die komplette Energie geht drauf für Arbeiten und Pflegen. Aber es ist meine Aufgabe, verstehen Sie?! Mein Inhalt, meine Daseinsberechtigung. Wenn das weg fällt …

Das Haus hab ich umgebaut. Alles behindertengerecht gemacht. Ganz alleine, für alles andere reicht ja das Geld nicht. Wer soll sowas bezahlen?

Gewissheiten habe ich nicht. Ich weiß nie, was der Tag bringt. Das einzige, was ich weiß: Einer von uns wird am Ende tot hier rausgetragen: Entweder sie oder ich.“

Update

Guten Tag,
ich hoffe, Sie kennen mich noch.
Es wird wieder Zeit für den Stand der Dinge oder überhaupt, um mal wieder ein paar Worte auf den Bildschirm zu zaubern.

Die letzten Wochen habe ich vornehmlich mit der Betreuung der Frucht meiner Lenden verbracht.
Klingt lustig, ist es aber nur bedingt, da dieser Umstand vorsieht, dass sich mein physischer Körper bereits um 7:30 im Haus meines Exmannes einzufinden hat.
Das steht natürlich nicht in der Berufsbeschreibung des Mutterdaseins (na ja, vielleicht im Kleingedruckten, ich bin da etwas nachlässig).
Und so musste ich mir letzte Woche so frechformulierte Fragen wie: „Naaaa, wie war dein Urlaub?“ gefallen lassen, tzzz!

Um meinen, mit Kinderbetreuung ausgefüllten Tagesplan konsumgetreu zu kompensieren, bin ich seit einem Monat stolzer Besitzer einer Nintendo Switch sowie einer Playstation 4.
Ziel des Kaufes der beiden Konsolen ist es, langfristig auf andere Menschen verzichten zu können und immerwährend abzutauchen in eine niemals endende Welt der virtuellen Realität. Außerdem: Wer zockt, fährt schonmal kein Auto, also gut für unsere CO2-Bilanz.

Des Weiteren durfte ich feststellen, dass Spiele wie Mario Maker 2, in dem man eigene Super Mario Level herstellen kann, wundervoll geeignet sind, um meine sadistischen Tendenzen zu fördern und auszubauen.
An meiner eigenen Frustrationsgrenze hingegen muss ich wohl noch ein bisschen arbeiten…

Die Kinder

Entwickeln sich prächtig.
Während der eine seine Einschulungsfeierlichkeiten erfolgreich hinter sich gebracht hat, durfte der andere sich an seiner ersten Botox-Behandlung erfreuen. Man kann schließlich nie früh genug damit anfangen, sich Nervengift zu injizieren, nicht wahr?
Okay, die Ärzte sagen, es soll helfen, den Speichelfluss zu reduzieren. Wollen wir’s ihnen mal glauben.

Beziehungstechnisch

Immer noch poly-irgendwas oder wie mein Kleiner sagen würde: „Mama, gehst du eigentlich fremd?“

Momentane Gedanken:

Warum will Jens Spahn beatmete Intensivpatienten ins Heim stecken?

Wie sieht’s aus mit der Apokalypse, 50 Jahre? 100? Sterben wir alle oder gibt es eine kleine, elitäre Minderheit, die sich retten wird?
Konkret gefragt: Soll ich jetzt noch für’s Alter sparen oder lohnt sich das nicht mehr?
Oder doch besser in Konserven investieren?

Genetik oder die Unfähigkeit, den eigenen Wurzeln zu entkommen.
Wären meine Eltern Intellektuelle, würde ich intellektuelle Zusammenhänge besser verstehen? Würde mir das Lernen leichter fallen und könnte ich mich besser und länger auf eine Sache fokussieren?

Macht es Sinn jetzt noch zu studieren?
Wo ich gleichzeitig auf der Suche nach einem weiteren Teilzeitjob bin, um mir Dinge wie eine Wohnung mit Balkon und Urlaub im Sinne von „Ich übernachte in einem Hotel“ leisten zu können?
Schaffe ich das?
Vielleicht wäre es sinnvoll, erst den Punkt mit dem neuen Job und der Wohnung zu klären, bevor ich alles gleichzeitig versuche.

Was mache ich mit meinem Blog?
Schon lange würde ich gern etwas Neues starten, vielleicht einen Blog, der eher journalistische Absichten verfolgt oder sich zumindest auf externe Situationen bezieht, anstatt auf mein Privatleben. Gleichzeitig gibt es Momente, die ich gerne aufgrund ihrer Besonderheit und Intimität festhalten möchte, was sich hier allerdings auch nicht richtig anfühlt.

Tja, eigentlich hätte ich dann gerne noch einen humoristischen Blog, einen reflektierten und einen nostalgischen. Und überhaupt und sowieso und am Ende hätte ich gern so viele Blogs wie das Wolkenhaus von Janosch, das dann am Ende in sich zusammenkracht.
Ich hab sowieso keine Zeit.

Vorhaben:

Jobsuche. Was Sinnstiftendes, als Helfer in der Pflege.
Neue Wohnung: Mit Balkon.
Gesundheits-Check-Up – wird ab 35 alle drei Jahre übernommen
Ein Moskitonetz über dem Bett anbringen (nachdem mein Kleiner vorletzte Nacht ins Augenlid gestochen wurde, sieht er aus wie ein gescheiterter Boxer)
Die Wände weißeln, vielleicht hilft’s ja…

YouTube

Ich hab so meine Zeit gebraucht, um mit dir warm zu werden.
Vor vier, fünf Jahren habe ich YouTube höchstens genutzt, um mir das ein oder andere Musikvideo anzusehen oder ein „How to“-Clip über die richtige Vorgehensweise beim Umbau meines Autokindersitzes.
YouTube war aus meiner Sicht eher was für Kinder und Jugendliche, zumal ich Influencer bis heute für eine neumodische Krankheit halte.
Aber dann entdeckte ich ein paar Formate wieder, die sich vom Fernsehen verabschiedet und nun auf dieser Plattform etabliert hatten.

Allen voran: „Walulis“. Früher als „Walulis sieht fern“ bekannt und vor allem auf TV-Formate bezogen, die Philipp Walulis nebst Team unter die Lupe nahm und persiflierte. Heute sendet er zwei Clips die Woche meist zu Themen, die im Internet gerade heiß diskutiert werden.
Dass sein Humor bisweilen ein wenig „experimentell“ daherkommt, nehme ich ihm nicht übel.

 

Rocket Beans TV

Ein ganzer 24-Stunden-Kanal ist hier aus vier ehemaligen Giga-Moderatoren entstanden und versorgt seine Zuschauer mit Games, Filmbesprechungen und sonstiger Unterhaltung.
Simon, Nils, Etienne und Budi (und ihr großes Team) überzeugen immer wieder durch grandiosen Humor, Offenheit für Diskussion und mit viel Kreativität, oftmals in Form von kleinen, anarchistischen Improvisationen.
Der Sender mit ca. 100 Mitarbeitern finanziert sich durch ausgewählte Werbepartner und Spenden von Fans, größtes Ziel dabei ist die eigene Unabhängigkeit zu bewahren.
Fantastisch sind auch die von Hauke Gerdes geschriebenen Pen& Paper Abenteuer, die durch die vier leidenschaftlichen Moderatoren auch gerne mal aus dem Ruder laufen …

 

 

Ich selbst war schon immer jemand, der anderen gern beim Zocken zugesehen hat, vor allem, wenn das Spiel eine solide Geschichte bot. Heute gibt es immer mehr solcher Games, die vor allem durch das Storytelling bestechen, aber auch die audiovisuelles Umsetzung dieser Spiele weiß inzwischen zu überzeugen.
So hat Leander Haußmann in der Zeitschrift „ZeitWissen“ zum Beispiel ein leidenschaftliches Plädoyer für das Cowboy-Spiel Red Dead Redemption geschrieben.
Mich persönlich hat zuletzt das Spiel „Detroit Become Human“ in seinen Bann gezogen, ein Spiel, das seinen Reiz durch die vielen unterschiedlichen Handlungsverläufe bezieht, für die man sich bewusst oder unbewusst durch die Auswahl seiner Aktionen entscheiden kann. Der Spieler betrachtet die Geschichte also nicht als stiller Beobachter, sondern wird aktiver Part der Geschichte und taucht in den Charakter ein.

 

 

Die Filmanalyse
Wolfgang M. Schmitt besitzt keine Jeans und keine kurze Hose. Und das glaube ich ihm auf’s Wort.
Was der Literaturwissenschaftler und Filmkritiker zu sagen hat, fasziniert mich immer wieder durch Wortgewandtheit, Wissen und die Perspektive, die er bei seinen Besprechungen einnimmt.
Oftmals entlarvt er Filme als „neoliberalen Schwachsinn“, zitiert Slavoj Zizek und kritisiert den verborgenen Kapitalismus. Obwohl ich ihm eine gewisse Polemik nicht absprechen kann, empfinde ich seine Beiträge doch als sehr bereichernd.
Gerne ist er auch Gast beim Rocket Beans Format „Kino+“.

 

 

Das Kliemannsland

Fynn Kliemann ist Musiker, Bastler und Macher. Das Kliemannsland ist ein alter Bauernhof, den Fynn mit seinem Team zu einem Refugium für Künstler und Freigeister machen will.
Bei seinen diversen Basteleien zeigt Fynn sich mal mehr mal weniger geschickt, auf jeden Fall aber kreativ.

 

 

Zu MaiLab und Tilo Jung schreibe ich an dieser Stelle nichts weiter, spreche nur eine absolute Empfehlung aus und verweise auf den zuletzt veröffentlichten Beitrag.

 

Dann gibt es da noch STRG_F,
ein Team aus Journalisten, das Themen unterschiedlichster Gebiete beackert.
Spannend finde ich insbesondere das Video über die Spendensammler von WWF & co.

 

 

Oder die Sache mit den leerstehenden Wohnungen in Hamburg.

 

Zuletzt noch ein Hinweis auf den Kanal von Neomagazin Royale,
der uns mit Zusatzinhalten zur Sendung versorgt.
Ich liebe diesen Humor.