Commercial break

 

„Scheidungskrieg: Frau erpresst Mann mit den eigenen Kindern“

„Frau wegen erfundener Vergewaltigung zu Geldstrafe verurteilt“

„Sie ist Modell und sie zeigt sich gerne hüllenlos“

 

Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse.
Viel zu lang schon nutzen Frauen ihre Positionen aus, stilisieren sich als Opfer, benutzen ihre Machtstellung als Mutter oder stellen ihren Körper schamlos zur Schau, um sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken.
Selbst im Kindergarten führt ihr oft übermäßig zickiges Verhalten, das Ausdruck findet in einer Glas zerspringen lassenden hohen wie lauten Stimmlage, dazu, dass sogar Erzieher sich als machtlos geschlagen geben müssen.

Es ist Zeit für eine Wende.
Weil wir an das Beste in Frauen glauben.

Sag einfach das Richtige.
Handle so, wie es richtig ist.
Einigen gelingt das bereits.
Aber einige sind nicht genug.

Wir müssen uns selbst herausfordern
immer und immer wieder
um unser Bestes zu erreichen.

Gillette Venus
(im Schnitt 25% teurer als ein vergleichbarer Männerrasierer)


 

Tja, hätte Gillette sich angeschickt Frauen über einen Kamm zu scheren und weibliche Pendants mit der Rolle der Täter und Brutalo-Rüpel zu besetzen – der Ansturm der Feministen wäre enorm.
So sind es also die Männer, deren Ehre gerade haarscharf beschnitten wird.

Wer an dieser Stelle noch nicht weiß, worüber ich spreche, hier die neue Gillette-Werbung:

Ich gebe zu, eigentlich sollte es überflüssig sein ernsthaft Stellung beziehen zu wollen zu einem Werbespot eines Markenherstellers, der in erster Linie daran interessiert ist Umsatz zu machen und nicht die Welt zu verbessern, aber offensichtlich sehen viele Menschen das anders.
So viele, dass zum Beispiel Etienne Gardé, Moderator von RBTV, aufgrund eines belanglosen Tweets Morddrohungen und Beleidigungen bekam mit der Begründung, er würde Vergewaltigungen und Gewalt gegen Frauen zu relativieren.

Manchmal kommt mir der Gedanke, dass eine kleine Apokalypse auch eine sehr reinigende Wirkung haben könnte.

Offensichtlich lohnt sich also doch eine Diskussion darüber, ob ein Rasierklingenhersteller Männer zu besseren Menschen erziehen kann oder sollte.

Nach dem ersten Sehen hatte ich das Gefühl, das Gillette bewusst mit emotional aufgeladenen Bildern zu manipulieren versucht. Der Zuseher soll gar nicht nachdenken, er wird nicht wirklich zum Reflektieren gebracht, vielmehr empfinde ich die Bilder als emotionale Erpressung mit dem Ziel ein ferngesteuertes Kopfnicken beim Publikum zu erzeugen, komplettiert durch die Erkenntnis: „Wow, die bei Gillette machen sich ja echt Gedanken, voll ethisch korrekt und so!“

Aber hey, es ist eben Werbung.

Beim zweiten Mal habe ich versucht, mich mehr auf die Details zu fokussieren.
Die Me-Too-Debatte wird angesprochen, sexuelle Übergriffe werden thematisiert und es geht um Frauen, die am Arbeitsplatz nicht für voll genommen und erniedrigt werden.
Gut, ich gebe zu, dass solche Dinge eher Frauen als Männern passieren.
Frauen als Opfer, Männer als Täter.
Trotzdem heißt das im Umkehrschluss noch lange nicht, dass es sich bei diesen Vorfällen um ein typisches Verhalten handelt, dass Männern quasi in die Wiege gelegt wird.

Weiter wird Mobbing angesprochen und irgendwie mit Jungs in Verbindung gebracht, obwohl Mobbing für Mädchen genauso ein Thema ist. Sei es nun auf der Seite der Opfer oder auf der Seite der Täter.
Und was ist mit der Szene, die zwei sich balgende Jungs zeigt, begleitet von den Vätern, die am Grill stehen und achselzuckend den Satz „Boys will be boys“ von sich geben?
Von den wenigen Sekunden kann ich nicht beurteilen, ob die Rangelei harmlos ist oder ob es sich um einen handfesten Streit handelt.
Fakt jedoch ist: Raufen, Rangeln oder Ringen ist tatsächlich entwicklungsfördernd und pädagogisch wertvoll.
Weniger wertvoll dagegen sind Helikopter-Eltern, die bei der kleinsten körperlichen Berührung dazwischen gehen und den Kleinen nicht mal die Chance zu geben, sich auszuprobieren und ihre Kräfte zu messen. Das soll nicht heißen, dass es keine Regeln gibt beim Rangeln.
Natürlich gibt es die und es ist okay die Kids zu beobachten und im Ernstfall einzuschreiten, sobald aus dem Spiel böser Ernst wird.
Es muss eine Balance geben. Ich nenne sie: gesunder Menschenverstand.

Nach ungefähr der Hälfte des Spots gibt es eine Wendung – offensichtlich sollen jetzt Lösungsansätze gezeigt werden.
Also werden die Jungs auseinander gezogen.
Körperliche Auseinandersetzungen sind nicht gewünscht.
Raufen, rangeln, balgen – dank Gillette bald passé.
Boys will be boys – jetzt nicht mehr.

Und um noch mehr Leuten den Spaß zu verderben, soll dann aber auch Schluss sein mit freizügigen Musikvideos. Man(n) muss die Frauen ja auch mal vor sich selbst schützen, nicht wahr?
Aber nicht nur die Modells im Video sind bald ihren Job los, auch der Mann, der sich gerade zu der attraktiven Frau umgedreht hat, wird aufgehalten.
„Not cool!“
Dabei wissen wir noch gar nicht, was er gesagt hätte.
Zwischen einem geschmacklosen „Hey, Baby, soll ich dir mal mein Rohr zeigen?“ und „Wow, dein Lächeln eben hat mich umgehauen!“ liegen Welten und wer weiß, vielleicht wäre sie nicht mal abgeneigt gewesen. Vielleicht darf man Frauen auch das Recht einräumen, sich selbst eine Meinung zu bilden und selbst mit der Konfrontation umzugehen? Please?

Es ist eben so: Der erste Eindruck, den wir von einem Menschen bekommen, ist ein rein visueller. Okay, außer du bist blind.
Wir entscheiden uns also innerhalb der ersten Sekunden, ob wir einen Menschen attraktiv finden oder nicht. Und es gibt Menschen, die sagen sehr frei was sie denken und andere halten ihre Gedanken für sich. Aber sie sind trotzdem da.
Und, haltet euch fest: Das passiert geschlechtsunabhängig! Verrückt!

Vielleicht sollte Gillette also konsequenterweise allen Männern den Blickkontakt zu Frauen verweigern. Prototyp: Augapfelasierer. Autsch.

Zum Schluss kommen noch bullshitmäßig ein paar bedeutungsschwangere Sätze aufgedrückt wie:
We believe in the best in men
To say the right thing
To act the right way.
Some already are.
But some are not enough.

Na, aufgepasst?!
Richtig, Gillette hat gerade gesagt, dass 90% aller Männer scheiße sind.
Hit that!

Some already are
taking positions
und schmeißen ihre Rasierer in den Müll.
So viel zu: Act the right way.

Werbeanzeigen

Ende Gelände

2018 geht zu Ende, Zeit für einen Rückblick.

Keiner ist gestorben, das stell ich mal auf die Haben-Seite.
Na gut, vermutlich sind doch irgendwo Menschen gestorben, aber wenigstens niemand aus meiner Familie.
Katastrophen gab es dennoch: die beinahe geflogene Zunge vom Großen, der gebrochene Fuß von seinem Vater und dann noch der Pflegedienst, der uns so plötzlich im Stich gelassen hat.
Dafür war auch Zeit für Neues: Das persönliche Budget wurde realisiert,
eigene Fachkräfte angestellt. Wie gut sich das anfühlt es selbst in der Hand zu haben, wer kommt und wer nicht!
Nach fast fünf Monaten hat sich alles eingependelt, die nächste Hürde wird die erste Prüfung im Februar.

Mein neuer Minijob tut mir gut, das Team fühlt sich an wie eine Familie, heimelig, humorvoll, rücksichtsvoll, ein bisschen Banane. Der Stundenlohn ist gut und ich mache etwas Sinnvolles, soziales Engagement. Was will man mehr?

Mein neues Auto bringt mich sicher von A nach B.

Was habe ich 2019 vor?

Mehr schreiben, mehr lesen, ein neuer Blog.
Letzteres spukt schon seit Jahren in meinem Kopf und ich werfe am Fließband Konzepte über den Haufen, eben weil ich mich so gut kenne, meine Launen, mein mangelnder Ehrgeiz und das Unvermögen mich auf ein Thema zu beschränken. Aber vielleicht kriege ich es dieses Mal hin.
Jedenfalls möchte ich mehr über Sprache lernen und experimentieren.

Ein Umzug wäre nicht schlecht, aber dafür bräuchte es mehr Einkommen.
Vermutlich eher 2020, klingt auch besser.

Außerdem würde ich gerne an einer offenen Lesebühne teilnehmen.
So mit echten Menschen im Publikum.
Das will ich eigentlich schon seit Jahren, vielleicht schaffe ich dieses Mal den Sprung.

Mit diesem Post verabschiede ich mich bis Februar in eine kleine Winterpause, damit ich anderen Projekten nachgehen kann.
Ab Februar wird es dann wieder gewohnt unregelmäßig 😉

Kommt gut rein und böllert nicht zu viel,
bis nächstes Jahr
eure Maria Mittwoch

Ruf du doch an!

Meine Güte, Steffie…bist du das???
Ruf mal durch, wenn du Laune hast!!

0170 123…

Dein Schweigen zieht die Interpreationsmöglichkeiten an wie ein schwarzes Loch.
Als ob ich dein Wanken spüren könnte. Interesse? Desinteresse?

Hey, Freaky,
was hältst du davon, wenn wir uns nächste Woche mal treffen, Café oder so?
Wir könnten uns gegenseitig unsere Gefühle vortanzen
oder einen pädagogischen Gesprächskreis veranstalten
und über unser Scheitern reden.
Wird bestimmt lustig.

Ich bestehe aus zwei Komponenten. Wie Zwei-Komponenten-Kleber:
die eine Seite ist mein Verstand, die andere mein Mund.
Wenn mein Mund redet, schaltet sich der Kopf aus.
Das ist hinderlich, weil mir dann die richtigen Wörter entfallen
und die Grammatik auseinander bricht.
Syntax, was ist das?
Die Wörter taumeln über meine Zunge, schwer, wie vom Rotwein gezeichnet plumpsen sie heraus,
ungelenk wie ein Elefant im Ballettunterricht.
Dafür braucht es nicht mal einen Tropfen Alkohol.
Und es ist nicht nur die Sprache, die krankt, auch der Inhalt lahmt.
Ich kann nicht denken, wenn mir jemand zuguckt.
Zumindest: Jemand Fremdes.

 

Wenn ich das Fass also öffne und dir schreibe, als wäre ich kreativ und inspiriert und wüsste, wie man die Wörter richtig aneinanderreiht ohne wie ein Vollidiot dazustehen, wie würdest du reagieren, wenn dieser Teil mit einem Mal wegfiele und sich die Wörter in meinem Mund überschlagen und stolpern, was mich dann selbst ärgert und dazu verleitet stiller zu werden, was dich wiederum langweilen würde, so wie es mich an deiner Stelle genauso langweilen würde.

 

Hast du auch manchmal das Gefühl, alles ist eine einzige Wiederholung?
Du triffst jemanden und er ist okay, er ist nett, man versteht sich, man hat eine gute Konversation und der Sex ist in Ordnung, aber nichts davon berührt dich wirklich. Im Grunde ist es das gleiche wie bei dem Date davor, dem Date davor und dem davor auch; eigentlich wiederholt sich alles immer und immer wieder, wie ein durchschnittlicher Sendetag im Privatfernsehen, ein Perpetuum mobile des Grauens, und es gibt nichts, das du nicht irgendwo irgendwann schon mal gesehen oder gehört hättest…

 

Ich denke, du inszenierst dich.
Nicht, dass mich das stören würde.
Tun das nicht sowieso alle?
Gerade im Internet, hier kann doch jeder sein, wie er möchte,
wie er sich gerne sehen würde.
Auf der Bühne, vor den Augen der Zuschauer,
das ist schon eine andere Hausnummer.
Bukowski zum Beispiel.
Wie der sich inszenieren konnte.
Hat dem Publikum das gegeben, was es verlangte. Hat es angefeuert,
es bekräftigt in ihm das zu sehen, was es ohnehin in ihm gesehen hat.
Alle Erwartungen vollends erfüllt.
Wann ist eigentlich der Punkt, an den man wirklich zu der Person wird,
die man gerade spielt?

 

Warum eigentlich telefonieren?
Klar, ich verstehe die Logik dahinter: Fake-Check,
unbeantwortete Fragen, die Klangfarbe der Stimme…
Aber das ist lahm, warum nicht gleich das ganze Paket mit Mimik, Gestik, Ästhetik?

 

Wir könnten unser Treffen inszenieren.
Zum Beispiel in einem Kino.
Ich nähme einen Platz an unbeliebter Stelle, irgendwo am Rand des Saals,
in einem Film, für den sich niemand wirklich interessiert.
Ich wäre schon dort, wenn du kämst.
Du könntest dich neben mich setzen, wir würden uns kurz betrachten
und dann dem Film folgen.
Das gäbe uns die Möglichkeit, uns aneinander zu gewöhnen.
Oder du setzt dich ein paar Plätze weiter,
beobachtest mich und entscheidest dann, wie du vorgehen möchtest.
Wir könnten stumm nebeneinander sitzen, die Augen auf die Leinwand gerichtet,
und irgendwann würde ich meinen Kopf gegen deine Schulter lehnen.
Und nach dem Film würde jeder seiner Wege gehen.
Gerade WENN wir uns sympathisch wären, wäre diese Wendung ideal,
weil sie mit den Erwartungen bricht.
Und wenn du nicht kämst, wäre das egal – in einem Kino versetzt zu werden
ist weniger erniedrigend, als in einem Restaurant, beispielsweise.
Wie peinlich, wenn man einen Tisch für zwei reserviert und am Ende alleine dasitzt;
zerrissen zwischen Hoffen und Bangen verschickt man verzweifelte Nachrichten
während die Bedienung einem Mitleid bekundende Blicke zuwirft,
solange, bis man irgendwann kapituliert und die Rechnung zahlt.
Da ist es im Kino weit weniger demütigend. Im Kino ist es okay,
wenn du alleine kommst und alleine wieder gehst.
Im Kino ist man nicht auf Konversation angewiesen,
Kino kann lässt prima alleine bewältigen, Mund zu, Augen geradeaus.

 

Wie wäre ein Date ohne verbale Kommunikation?
Das Kino wäre so eine Möglichkeit, aber was gibt es noch?
Wie würde das aussehen, wenn wir allein mit Körpersprache kommunizieren müssten?
Vermutlich wäre es ziemlich ernüchternd.
Auch wenn das Wort immer wieder Anlass für Missverständnis bietet,
so würde ohne zu viel fehlen.
Vielleicht sind es doch nicht nur die Handlungen, die zeigen, wie wir wirklich sind,
vielleicht gehört auch das Wort dazu, auch wenn es taumelnd über die Zunge kommt.

„Ich, du, wir, er, sie – müssen alle in Therapie“

Was stimmt eigentlich nicht mit mir?
Ich liege auf dem Sofa, Kopf auf der Sitzfläche, Beine über die Polster geschwungen.
Neue Positionen erlauben neue Denkweisen.

Er war nett, richtiggehend bemüht.
Kein Otto, keine Tricks, kein doppelter Boden.
Es ist offensichtlich, dass ich ein Problem habe.
Ich will gar nicht einfach, aber vielleicht sollte ich einfach „wollen“.
Gut, was ist schon einfach?

Ich meine: Männer, von denen ich ausgehe, sie wären gut. Für mich. Oder für andere.
Interessieren mich nicht.
Eher so: Selbstdarsteller, Narzissten, Egozentriker. Zumindest in Teilen.
Das Badboy-Snydrom also.
Ja, kennen wir Frauen ja eigentlich.
Aber: Was kann man dagegen tun?
Wie kann ich normal werden?

Ich überlege es aufzugeben. Oder zumindest zu pausieren.
Bevor ich mir einen Psychopathen anlache,
kann ich auch so weitermachen.
Ist ja nicht so, dass ich nicht ausgelastet wäre: Die Kids mit ihren dauernden Krankheiten, meine Arbeit mit der Autistin, die Schreiberei …

Ich nehme mein Tablet, fliege über die letzte nichtssagende Anfrage.
Benutze die Suchfunktion, klicke mich durch das Dickicht an Männerbärten und Milchgesichtern bis ich auf dem Profil hängen bleibe, das ich mir die letzten Wochen schon so oft angesehen habe.

Dieses Profil ist anders.
Nicht so sympathisch. Wenn man es recht bedenkt, sogar das genaue Gegenteil.
Kurzbeschreibung: Ich bin 1,10 m klein, humorlos, menschenscheu und dumm wie Brot. An Wochenenden unternehme ich schon aus Prinzip nichts und wenn die Sonne scheint, bleibe ich am liebsten im Keller.“
Beantwortete Fragen:
Was bedeutet für Sie emotionale Intelligenz: Ihr den Abwasch ans Bett zu bringen
„Ich mag: Einen ordentlichen Haushalt
Ich mag nicht: Wenn ich sie dauernd daran erinnern muss.
Was ist das „Gewisse Etwas, das sie haben muss? Starke Nerven …

Tatsächlich sind die folgenden Antworten auf die vorgegebenen Fragen weit weniger antifeministisch (Schublade auf), aber nicht weniger kreativ und einfallsreich.
Mir gefällt dieser bescheuerte Humor.
Jedenfalls hoffe ich, dass es Humor ist und nicht einfach das Gerede eines Soziopathen.

Dieses Profil jedenfalls, führt Profiltexte ad absurdum.
Anstatt sich, wie üblich auf solchen Kanälen, möglichst authentisch zu inszenieren, verweigert er sich dieser Form der Darstellung.
Das einzige, was hier wirklich spürbar wird, ist der Hang zur Kreativität und ein kräftiger Sinn für Humor, alles dahinter ist reine Interpretation.

Scheiße, mir gefällt das.
Aber schreit hier nicht alles: „Ich bin ein Narzisst.
Schreib mich an und ich werde dich mitnehmen in mein finsteres Reich der Verdammnis!“?
Wäre das nicht so, als würde ich den Teufel selbst einladen?
Auf der anderen Seite: Ein bisschen Unterhaltung wäre nicht schlecht.
Und es ist mühselig andauernd Psychogramme erstellen zu wollen auf Grundlage weniger, vor die Füße geworfener Wortbrocken.

Also: Anschreiben?
Oder nicht?
Wo ich gerade zum 100. Mal auf diesem Profil bin…
Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?

Selbst wenn ich ihn anschreiben wollte, könnte ich das unmöglich mit einem einfachen „Hallo“.
Das ganze müsste wohldurchdacht sein, ausgeklügelt konstruiert, kreativ und einzigartig.
Ein tiefer Seufzer, dann klappe ich die Hülle meines Tablets zu, klack. Der Kopf wird gerade gerückt, die ungewohnte Perspektive verlassen, raus auf dem Eskapismus, rein in die reale Welt.

24 Stunden später befindet sich seine Nachricht in meinem Postfach.

Weihnachten

Meine Lieben, es ist wieder so weit:
Der kapitalistischste aller Feiertage ist da, samt Rauschebart und Rute für alle, die nicht ihr letztes Hemd gegeben haben, um die Wirtschaft ordentlich anzukurbeln.
Ha!

Aber vielleicht geht’s Weihnachten ja eigentlich um was anderes.
Um was, muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Ich mag den Gedanken zu schenken, zu teilen, zu geben und zu bekommen.
Generell, das ganze Jahr lang, ohne Zwang im Nacken.
Aber vielleicht ist es trotzdem gut diese drei Tage zu haben, damit man sich erinnert.
Daran, wie es ist zu teilen, zu geben, zu schenken.
Oder daran, wie man selbst mit kindlicher Ungeduld darauf wartete, dass es draußen dunkel wird und die Geschenke endlich unter dem Baum liegen, mit einem Mal, als wär’s ein Zaubertrick. Die nagende Ungewissheit, ob man das bekommt, was man sich am sehnlichsten zu wünschen glaubt.

Natürlich bin ich der Meinung, man sollte sein Herz nicht an Gegenstände hängen. Man sollte auch lernen zufrieden zu sein mit dem, was man hat. Aber einem Kind etwas zu schenken, wovon es seit Monaten spricht und dann den Glanz in seinen Augen zu sehen, wenn es das Spielzeug endlich in Händen hält, das ist wunderschön.

Ich erinnere mich gern an das wohlige Gefühl von Familie und Heimat, dass ich jetzt wieder erleben darf. Rituale, die sich wandeln. Menschen, die heute fehlen.
Die Zeit verändert alles, also lieber die guten genießen.

Ich wünsche euch alen ein frohes und besinnliches Fest!
Versucht zu geben und zu schenken, wo es geht, Zeit mit Menschen zu verbringen, die ihr liebt – und wenn ihr das ganze Jahr zu kurz gekommen seid, dann vergesst euch selbst nicht. Belohnt euch mit Stille und einem Glas Rotwein unterm Weihnachtsbaum oder gönnt euch einen Tag in der Sauna, haltet inne und verschenkt Liebe zu wem auch immer.

Ich bedanke mich bei allen Lesern, die sich durch meine Texte quälen und ganz besonders bei allen, die selber ihre Geschichte/n und Gedanken mit uns teilen.

P.S.: Wer’s noch nicht kennt und den gleichen bescheuerten Humor hat, sollte sich mal die Weihnachtsgeschichte von Jan Böhmermann anschauen 🙂

Böhmermanns perfekte Weihnachten

Flucht-Reflex

Es war okay.
Er war okay.

Letzten Endes war er dann doch ganz anders, als ich mir einen Mann vorgestellt hatte, der gerne jagt und für Ende Dreißig einen furchtbar deutschen Namen trägt – so furchtbar, dass man das Drama seiner Kindheit förmlich vor sich sehen konnte.
Er war nett. Er war sympathisch.
Man konnte sich gut mit ihm unterhalten, ein Wort ergab das andere und in keinem Moment wirkte unser Gespräch in irgendeiner Art und Weise erzwungen.
Nun ja, was die Auswahl der Lokalität betraf, hätte ich besser einen anderen Ort gewählt, aber wer hätte schon ahnen können, dass an einem normalen Arbeitstag gegen 9 bereits sämtliche Tische mit Menschen jenseits des erwerbsfähigen Alters besetzt sein würden?

So blieb uns nur der schmale Tisch neben der Garderobe. Direkt neben der Kaffeemaschine,
die in regelmäßigen Abständen laut kreischend ihre Bohnen zermahl und dabei die Geräuschkulisse eines startenden Jumbojets produzierte.
„Was hast du gerade gesagt?“
Ich strich meine Haare hinters Ohr, den Kopf in seine Richtung gebeugt.
„Ich habe mich gefragt, warum die Leute hinter uns sich gegenseitig anbrüllen. Haben die schon mal was von Hörgeräten gehört?“
„Wie denn, wenn sie nix hören?!“

Zwischen schreienden Senioren (und Seniorinnen, für die Feministen unter uns) und der lärmbelästigenden Kaffeemaschine erzählte er mir also von seiner Vergangenheit, seinen Jobs und der Jagd. Als ausgebildeter Jäger ginge es nicht banal darum, wahllos Tiere zu töten, sondern sich den Regeln der Nachhaltigkeit unterzuordnen, Futterstellen anzulegen, den Wald sauber zu halten und das Ökosystem zu bewahren. Tiere sollten nicht zum Spaß getötet werden, sondern einen Nutzen bringen und möglichst komplett verwertet werden, zudem soll das Töten möglichst präzise und schmerzfrei erfolgen.
Viele Tiere wüssten gar nicht mal, dass sie getroffen wurden, gingen noch ein paar Schritte und fielen dann tot um.
Man muss kein Experte sein um festzustellen, dass dieser Umgang mit Tieren sich weitaus ethischer verhält als das, was dem abgepackten Fleisch in unserem Supermärkten widerfahren ist.

Ich verstand, wenngleich ich das Angebot mit auf die Jagd zu gehen fürs Erste auszuschlagen gedachte.

Ein anderes Thema war die Grundsteuer.
„Du musst eine Steuer zahlen für etwas, das du besitzt. Du hast es rechtmäßig erworben, es ist deins. Aber wenn du die Steuern nicht zahlen kannst, wird es dir weggenommen.“
Eigentlich war ich immer ein Freund vom Satz: „Eigentum verpflichtet.“
Die Idee, die Allgemeinheit müsse einen Nutzen vom Eigentum anderer haben, gefiel mir.
Aber ist das noch gerecht, wenn man selbst dadurch in eine finanzielle Schieflage gerät und sich die Steuern auf das eigene Haus nicht mehr leisten kann?
Und was ist mit Millionengräbern wie der Elbphilharmonie, die zum großen Teil durch Steuergelder finanziert wurde. Können wirklich alle behaupten, von diesem Gebäude zu profitieren?

„Wollen wir zu mir? Ich bin kurz vorm Gehörsturz.“
Wir zahlten, das heißt er zahlte, Autofahrt, Parkplatz, Corsa-Vergleich. 25 Jahre liegen zwischen unseren Personenkraftwagen. Amtlich!

Kaffee oder Tee? Tee.
Verhänge zu, wir näherten uns an und schließlich klebte sein Schweiß auf meiner Haut.

Er fand mich toll, ganz anders als die anderen, er fühlte sich geborgen, nicht so ex und hopp und ich wäre einfühlsam und dann bekam ich noch ein paar anderen Komplimente aufgedrückt, bevor er mich fragte, ob wir uns wiedersehen.
Diese Frage, wie ich sie hasse.

„Ich weiß nicht“, fing ich also an, „Wir können uns gerne mal wieder treffen, ich habe allerdings wenig Zeit, du weißt, die Kinder und so, es ist ja immer was und außerdem: Ich bin noch am Sondieren, möchte gerne noch den einen oder anderen kennen lernen.“
Er nickt, denkt nach, bedankt sich für die Ehrlichkeit.
„Dann werde ich mich die nächsten Wochen zurück halten“, sagt er. Und dann wird sein Gesicht traurig, weil er eigentlich gern eine wie mich zur Freundin haben möchte und dann fällt ihm ein, was wir alles gemeinsam unternehmen könnten und es wäre kein Problem, wenn ich die Kinder mitbrächte, ich solle nur ein paar Tage vorher Bescheid geben, wenn ich Lust auf Theme hätte, zum Beispiel, er nimmt dann einen Tag Urlaub.
Und während die Worte aus seinem Mund stürzen, überlege ich, ob es unangemessen wäre mit den Worten „Ich geh‘ mal kurz Zigaretten holen“ aus meiner eigenen Wohnung zu verschwinden, um mit dem neuen Corsa so weit wegzufahren, wie der Tank hergibt, das Gaspedal bis zum Anschlag in den Boden der Karosserie gedrückt, nur weg von hier, in meinem Gedanken liebäugle ich schon damit, nach Afrika auszuwandern, als er plötzlich fertig ist, mir einen Kuss auf die Wange drückt und mit einem „Melde dich einfach, wann es dir passt!“ meine Haustür passiert.

Er war ganz okay, eigentlich.

Profil-Neurose

„Ich will einfach nur ’n lockeres Leben.“

Hat er gesagt. Echt jetzt.
„Ganz easy. Spaß haben und so.“
Hmmm.
Das war noch vor dem Satz mit dem Knabbern (Wer sagt sowas heute noch?) und ja, nachdem er mit mehreren Zaunpfählen um sich geworfen hat, wäre auch der Letzten aufgefallen, dass er nicht gerade nach einer festen Beziehung sucht, aber: „lockeres Leben“?

Als ob man sich sowas aussuchen könnte.

Wenn ich Singer/Songwriter wäre, würde ich nicht so verschwurbeltes Zeug von mir geben.
Ist nicht mein Ding.
Aber immerhin weiß ich jetzt, wie Mark Forster aussieht.

Meine Setlist:

1. Schade, du bist auf Instagram
2. Lockeres Leben ist nicht mein Ding
3. Du postest Videos von deinem Milchkaffee (Baby)
4. Ich wünschte, du wärst smart
5. Knabbern verboten

Nebenbei entwickle ich mit dem Kleinen Weihnachtsgedichte

Lieber guter Weihnachtsmann
zieh dir mal ’ne Hose an

(weiter sind wir noch nicht, Work in progress)