YouTube

Ich hab so meine Zeit gebraucht, um mit dir warm zu werden.
Vor vier, fünf Jahren habe ich YouTube höchstens genutzt, um mir das ein oder andere Musikvideo anzusehen oder ein „How to“-Clip über die richtige Vorgehensweise beim Umbau meines Autokindersitzes.
YouTube war aus meiner Sicht eher was für Kinder und Jugendliche, zumal ich Influencer bis heute für eine neumodische Krankheit halte.
Aber dann entdeckte ich ein paar Formate wieder, die sich vom Fernsehen verabschiedet und nun auf dieser Plattform etabliert hatten.

Allen voran: „Walulis“. Früher als „Walulis sieht fern“ bekannt und vor allem auf TV-Formate bezogen, die Philipp Walulis nebst Team unter die Lupe nahm und persiflierte. Heute sendet er zwei Clips die Woche meist zu Themen, die im Internet gerade heiß diskutiert werden.
Dass sein Humor bisweilen ein wenig „experimentell“ daherkommt, nehme ich ihm nicht übel.

 

Rocket Beans TV

Ein ganzer 24-Stunden-Kanal ist hier aus vier ehemaligen Giga-Moderatoren entstanden und versorgt seine Zuschauer mit Games, Filmbesprechungen und sonstiger Unterhaltung.
Simon, Nils, Etienne und Budi (und ihr großes Team) überzeugen immer wieder durch grandiosen Humor, Offenheit für Diskussion und mit viel Kreativität, oftmals in Form von kleinen, anarchistischen Improvisationen.
Der Sender mit ca. 100 Mitarbeitern finanziert sich durch ausgewählte Werbepartner und Spenden von Fans, größtes Ziel dabei ist die eigene Unabhängigkeit zu bewahren.
Fantastisch sind auch die von Hauke Gerdes geschriebenen Pen& Paper Abenteuer, die durch die vier leidenschaftlichen Moderatoren auch gerne mal aus dem Ruder laufen …

 

 

Ich selbst war schon immer jemand, der anderen gern beim Zocken zugesehen hat, vor allem, wenn das Spiel eine solide Geschichte bot. Heute gibt es immer mehr solcher Games, die vor allem durch das Storytelling bestechen, aber auch die audiovisuelles Umsetzung dieser Spiele weiß inzwischen zu überzeugen.
So hat Leander Haußmann in der Zeitschrift „ZeitWissen“ zum Beispiel ein leidenschaftliches Plädoyer für das Cowboy-Spiel Red Dead Redemption geschrieben.
Mich persönlich hat zuletzt das Spiel „Detroit Become Human“ in seinen Bann gezogen, ein Spiel, das seinen Reiz durch die vielen unterschiedlichen Handlungsverläufe bezieht, für die man sich bewusst oder unbewusst durch die Auswahl seiner Aktionen entscheiden kann. Der Spieler betrachtet die Geschichte also nicht als stiller Beobachter, sondern wird aktiver Part der Geschichte und taucht in den Charakter ein.

 

 

Die Filmanalyse
Wolfgang M. Schmitt besitzt keine Jeans und keine kurze Hose. Und das glaube ich ihm auf’s Wort.
Was der Literaturwissenschaftler und Filmkritiker zu sagen hat, fasziniert mich immer wieder durch Wortgewandtheit, Wissen und die Perspektive, die er bei seinen Besprechungen einnimmt.
Oftmals entlarvt er Filme als „neoliberalen Schwachsinn“, zitiert Slavoj Zizek und kritisiert den verborgenen Kapitalismus. Obwohl ich ihm eine gewisse Polemik nicht absprechen kann, empfinde ich seine Beiträge doch als sehr bereichernd.
Gerne ist er auch Gast beim Rocket Beans Format „Kino+“.

 

 

Das Kliemannsland

Fynn Kliemann ist Musiker, Bastler und Macher. Das Kliemannsland ist ein alter Bauernhof, den Fynn mit seinem Team zu einem Refugium für Künstler und Freigeister machen will.
Bei seinen diversen Basteleien zeigt Fynn sich mal mehr mal weniger geschickt, auf jeden Fall aber kreativ.

 

 

Zu MaiLab und Tilo Jung schreibe ich an dieser Stelle nichts weiter, spreche nur eine absolute Empfehlung aus und verweise auf den zuletzt veröffentlichten Beitrag.

 

Dann gibt es da noch STRG_F,
ein Team aus Journalisten, das Themen unterschiedlichster Gebiete beackert.
Spannend finde ich insbesondere das Video über die Spendensammler von WWF & co.

 

 

Oder die Sache mit den leerstehenden Wohnungen in Hamburg.

 

Zuletzt noch ein Hinweis auf den Kanal von Neomagazin Royale,
der uns mit Zusatzinhalten zur Sendung versorgt.
Ich liebe diesen Humor.

 

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Politik Spezial

[Den Artikel habe ich vor drei Wochen verfasst, nur fehlte mir die Zeit zum Überarbeiten. Bitte seht es mir nach]

Ursprünglich als farbenfroher Frühlingsputz in meinem Oberstübchen gedacht, hat sich beim Schreiben dieses Beitrages herausgestellt, dass sich die meisten meiner herumspukenden Gedanken auf irgendeine Art und Weise mit Politik befassen.
Heute also ein Politik- Spezial meiner glorreichen Gedankenwelt.

 

Satire als politisches Mittel

Pro: Satire steigert die allgemeine Aufmerksamkeit im Bezug auf Politik bzw. politische Probleme. Humor dient hierbei als verbindender Faktor verschiedenster gesellschaftlicher Gruppierungen. Provokativer Humor als Türöffner für Diskussionen.

Kontra: Der Witz könnte falsch verstanden werden, Gruppen könnten sich benachteiligt oder verletzt fühlen, wenn sie im Zentrum eines Witzes stehen und ihn ernst nähmen. Die Weitergabe von neutralen Informationen könnte durch satirische Absichten verfälscht/verdreht werden, der Empfänger ist überfordert damit, den Wahrheitsgehalt herauszufiltern.

Ich glaube, Satire als Mittel jüngere Bevölkerungsschichten für das politische Geschehen zu interessieren, wurde lange unterschätzt. Humor ist ein Eisbrecher, der helfen kann politische Diskussionen anzustoßen.
Wer sich jedoch eingehender mit Politik befassen will, der kommt um (humorlose) Sachlichkeit wohl kaum herum.

Bezogen auf Die PARTEI empfinde ich es geradezu als Ausdruck unserer Demokratie, das eine solche Partei Mitglied des politischen Spektrums ist und auch sein darf.
Auch die neue Herangehensweise mit einem realpolitischen Kern gefällt mir.
Grundsätzlich sehe ich im satirischen Anspruch eine anarchistische Spiegelung des Lebens, chaotisch und absurd, während die Politik so verzweifelt um Ordnung bemüht ist, wie wir versuchen unser Leben in geordnete Bahnen zu lenken.
Dabei ist Chaos eigentlich ein Grundzustand, der nicht nur in meinem Hirn stattfindet, sondern auch in meiner Wohnung.

Soll ich also PARTEI-Mitglied werden?

Im Zuge der hessischen Landtagswahl hatte ich mir bereits Unterlagen der SPD und Der Grünen zukommen lassen.
Letztendlich konnte mich keine der beiden Parteien überzeugen. Die Arbeiterpartei war mir zu antiquiert, die Grünen (obwohl ich die Themen Umwelt und Klimawandel ungeheuer wichtig finde und der Partei grundsätzlich ihren Zuwachs von Herzen gönne) zu hipp. Neonfarben schrie mich diese stylische Informationsmappe an und na ja, wer mich kennt weiß, dass ich am Ende dann doch lieber auf der Seite der Verlierer stehe.
Die PARTEI ist also gerade unbedeutend genug, um mich zufriedenzustellen. Und ganz offensichtlich haben sie ein Frauenproblem, wenn die Parteispitze ausschließlich von Männern besetzt wird.

Von Nico Semsrott, der Sonneborn als zweiter nach Brüssel folgen soll, habe ich kürzlich ein interessantes Interview gesehen. Semsrott spricht dort ganz offen über Themen wie seine Depression, aber auch von seiner Zeit auf einem katholischen Gymnasium, die ihn nachdrücklich prägte und auch lehrte, was Meinungsfreiheit bedeutet. Von seiner Arbeit als Stand-Up-Comedien wolle er nun Abstand nehmen, da er sich dem kapitalistischen Kreislauf entziehen möchte (wie zum Beispiel Steigerung der Klickzahlen von Videos oder der Ticketveräufe bei Auftritten).
Durch und durch ein sehr spannender Charakter, den ich vorher nicht so wahrgenommen hatte.

Und wenn ihr schon bei Tilo Jung und dem Format „Jung & Naiv“ seid: Es gibt unfassbar viele sehr gute Interviews, die ich selbst erst kürzlich entdeckt habe.
Jung begibt sich (nicht nur) mit Politikern ins Gespräch, ohne selbst anbiedernd zu sein oder seinem Gegenüber die Worte in den Mund zu legen, dennoch ist er nicht passiv oder langweilig, ganz im Gegenteil. Er (ver-)urteilt nicht, sondern stellt fest, was mir besonders beim Interview mit Alexander Gauland positiv aufgefallen ist.
Ich denke, ich muss an dieser Stelle niemanden erklären, dass ich kein Fan der AfD bin, aber ich finde es für unsere Gesellschaft und für unsere Demokratie essentiell, dass wir einander zuhören anstatt auszugrenzen. Und eben dieses Interview findet auf beiden Seiten als Meinungsaustausch statt, wie ich ihn gerne verfolge, weil niemand sich etwaiger Polemiken oder politischem Leer-Geschwafel bedient.
Und journalistisch gesehen, finde ich es einfach richtig und wichtig alle Seiten perspektivisch zu beleuchten und anschließend dem Zuschauer die Möglichkeit einzuräumen, ein eigenes Urteil zu fällen.

Außer, er ist ein Nazi 😉

Politik vs. der mündige Bürger

Was wir nicht alles sollten: Weniger Plastik kaufen, auf Fleisch verzichten oder wenn, dann nur Bio, und lieber mit dem Rad fahren, als mit dem Auto die Umwelt zu verschmutzen.
Der mündige Bürger hat es doch in der Hand, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
Warum tut er es also nicht?

Wenn ich mich betrachte, liegt es an mehreren Faktoren, dass ich auf mein Auto nicht verzichten kann, jede zweiten Woche einen gelben Sack fülle oder dann doch das billige Hack vom Supermarkt hole: Geld, Zeit, Bequemlichkeit.
Einen Unverpackt-Laden gibt es hier nicht, unverpackte Sachen gibt es wenn, dann im Bioladen, aber der kostet natürlich mehr und ich kriege nicht alles, was ich brauche. Dann doch lieber ein Mal die Woche zum Discounter. Und solange der Sprit immer noch günstiger ist als die Fahrt mit der Bahn, die ohnehin 7 km von meiner Wohnung entfernt losfährt, ist mein Auto das Mittel der Wahl.

Im aktuellen ZeitWissen Mai/Juni geht es unter anderem um den Ausstoß von Kohlendioxid. Der Autor stellt fest, dass es nicht ausreicht, wenn der private Endverbraucher auf Ökostrom umsteigt, so lange immer noch Energie aus Kohle gewonnen wird: „Wenn der Klimawandel eine Folge des Wirtschaftssystems ist, braucht es politische Entscheidungen, die dieses System ändern.“
Ein gutes Beispiel sei England, hier habe man von 2014-2016 den Anteil an Kohlestrom von 30 auf 9 % senken können, dank einer Sonderabgabe von 20 Euro pro Tonne CO2, die britische Stromerzeuger produzierten.

Die Politik macht es sich, Lobbyismus sei dank, oft zu einfach, indem sie die Schuld beim Individuum sucht.
Natürlich bin ich der Meinung, dass man sein Handeln reflektieren sollte und tatsächlich versuche ich immer wieder auch gezielt weniger Fleisch konsumieren oder Energie zu sparen. Aber gerade beim Thema Klimawandel muss die Politik unbedingt eingreifen und handeln und kann die Verantwortung nicht komplett auf den Bürger abwälzen, auch wenn das in der Konsequenz bedeutet, unbeliebte Entscheidungen zu treffen.

[Passend dazu:]

 

Fakten vs. Meinung

Die Wissenschaftlerin meines Vertrauens heißt Mai Thi Nguyen-Kim und hat einen Doktortitel in Chemie. Auf YouTube erklärt sie mir und mehr als 100.000 Anderen die Welt durch die Brille der Naturwissenschaft und klärt nebenbei über die Methoden wissenschaftlichen Arbeitens auf.
Zwischen 1972 und 1985 sind in Niedersachsen die Anzahl der Storche ebenso gestiegen wie die Geburtsrate – ist das jetzt Korrelation oder Kausalität?
Ab wann kann ich wirklich einer Studie vertrauen?
Und wie gelingt eigentlich sachliches Argumentieren?

Eines der für mich interessantesten Videos dreht sich um das Erkennen von Fake-News:
Sobald wir uns politisch eine Meinung bilden und einem bestimmten Lager zuordnen, werden wir blind für Informationen, die nicht in unser Weltbild passen und interpretieren sie als Fake-News.
Hintergrund ist unser „Bias“. Das Bias sorgt dafür, dass wir Informationen für unglaubwürdig halten, solange sie nicht in unser Weltbild passen. Das gilt zum Beispiel auch für Verschwörungstheorien.
Interessanter Weise haben Studien ergeben, dass Menschen, die ein hohes Kognitionsbedürfnis haben, das heißt Menschen, die sich als rational bezeichnen und ihre Informationen meist aus vielen verschiedenen Quellen zusammensuchen, einen stärken Bias haben und eher auf Fake-News hereinfallen, als Menschen, die aufgrund ihres Bauchgefühls handeln.

 

Tja, wenn uns das jetzt nicht in eine tiefe Krise stürzt, weiß ich auch nicht 🙂

Vielleicht heißt das im Umkehrschluss einfach, dass wir uns immer ein klitzekleines Hintertürchen offen halten sollten für den Fall, dass wir uns irren.

Auf dem Podcast Deutschland 3000 gibt es ein tolles Interview mit Mai, in dem sie fordert, Politik sollte sich mehr mit Wissenschaft und Fakten befassen, schließlich könne es nicht sein, dass ein Verkehrsminister einfach falsche Aussagen von Lungenfachärzten übernimmt, ohne sie vorher wissenschaftlich gegenchecken zu lassen.
Auch sollte es Ziel der Wissenschaft sein, sich mehr in den Medien zu präsentieren und neue Erkenntnisse für jeden nachvollziehbar und begreifbar zu machen. Sie selbst habe Glück gehabt, dass ihr Doktorvater sie während der Promotion bekräftigt habe Videos für YouTube zu machen, das sei längst nicht immer der Fall.

Ich muss sagen, dass Mais Kanal für mich wirklich ein Glücksgriff ist. Das Internet ist überschwemmt von Meinungen und Trends und außerdem finden immer mehr chemikalische Erzeugnisse Einzug in Shops oder Supermärkten.
Da tut es gut jemanden zu haben, an den man sich halten kann.

Kleiner Einschub: Gerade erst habe ich Mais neustes Video gesehen, ein Reaction-Video, in dem sie sich mit Rezo, ebenfalls YouTuber, und seinem neusten Clip über den Klimawandel auseinandersetzt. Ich möchte das Video nicht vorwegnehmen, halte es aber unbedingt für sehenswert und möchte hier darauf hinweisen.
Nur so viel: Sie klärt die Fakten und räumt mit Missverständnissen auf. Auch die Folgen der Klimaerwärmung werden diskutiert.
Mit dabei, wie immer, sämtliche Quellenangaben.

 

Interessant übrigens auch Mais Idee, dass Politiker ihre Quellen offenlegen sollten, auf die sie sich bei ihrer Politik beziehen.
Ich kann mir vorstellen, dass das während einer Rede nicht ganz einfach sein würde, vor allem, wenn viele Quellen verwendet werden, aber generell würde ich mir eine gewisse Transparenz und Nachvollziehbarkeit schon wünschen, allein um Glaubwürdigkeit herzustellen.

 

Werte vs. Grundrechte

Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich befasst sich in seiner Arbeit mit dem Thema Konsum und Konsumtheorie.
Zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes geht er der Frage nach, warum wir heute eher über Werte sprechen, statt über Grundrechte. Dabei seien Werte erstmal nichts fest Definiertes.
Ein gutes Beispiel dafür liefere Annegret Kamp-Karrenbauer, die in einem Tweet forderte, dass Flüchtlinge unsere Werte akzeptieren müssen und dass wir für diese auch eintreten sollen.

Ullrich zitiert Claudius Seidl, der auf die ursprüngliche Bedeutung hinweist: lange Zeit wurden Werte mit materiellen Dingen gleichgesetzt und noch heute findet sich der Kern dieser Bedeutung in wirtschaftlichen Zusammenhängen wieder.
Ullrich spricht über Werteethik und – philosophie und zeigt, dass man einen Mangel an moralischen Werten durch bloßes Demonstrieren und Zurschaustellen kompensieren kann. Unsere Werte seien stark durch unsere heutige Kosumkultur geprägt, was sich am Ende negativ auswirkt auf die Menschen, die nicht Teil des Wohlstands sind.
Am Ende scheinen vor allem die Eliten sich die meiste Moral leisten zu können; so muss man sich ehrenamtliches Engagement ja auch erst einmal leisten können.
So, wie ich anfangs sagte, ich kann es mir nicht (immer) leisten Biofleisch zu kaufen oder mit der Bahn zur Arbeit zu fahren, kann ich also nicht nach den notwendigen moralischen Werten handeln. Und noch weniger fähig moralisch zu handeln sind diejenigen, die überhaupt nichts besitzen und/oder ums nackte Überleben kämpfen müssen.
Grundrechte dagegen gelten für alle Bevölkerungsschichten, sie grenzen niemanden aus und sind für alle gleich.
Deswegen solle laut Ullrich die Politik mehr aus der Perspektive des Grundgesetzes heraus argumentieren.

Fazit:

Ich glaube, wir brauchen eine Politik, die sich mehr mit Fakten, als mit Meinungen auseinander setzt.
Eine Politik, die von guten und vor allem unabhängigen Experten und Wissenschaftlern beraten wird.
Die Politiker selbst sollten ihre Quellen offenlegen, auf denen sie ihre Meinung beziehen.
Sie sollten ohne Provokationen und Polemiken auskommen.

Und Journalisten sollten sich nicht so sehr von Vorurteilen leiten lassen sondern zuhören und objektiv sein.

Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten nicht nur einer elitären Gruppe erklärbar gemacht werden, sondern allen Gesellschaftsschichten.

Und die Klimaerwärmung gibt’s wirklich.

Petition für bessere Versorgung in der ambulanten Pflege

Hallo Leute,

eigentlich wollte ich jetzt endlich meinen Beitrag raushauen, den ich vor den Europawahlen noch verfasst hatte, aber jetzt hat der hier oberste Priorität.

Letztes Jahr hatten ich und mein Exmann mit den Auswirkungen des Fachkräftemangels in der Pflege zu kämpfen. Über ein halbes Jahr wurde nur rund die Hälfte der Nachtwachen durch einen ambulanten Pflegedienst abgedeckt, die andere Hälfte mussten wir als Eltern selbst übernehmen.

Ich muss euch nicht sagen, was das für eine Familie bedeutet oder für einen einzelnen Menschen. Das sind keine ruhigen Nächte.
Wir haben noch Glück, dass unser Sohn sich in der Regel fängt und die Sauerstoffwerte nicht ins Bodenlose fallen, wir brauchen keine Angst haben, dass er die Nacht nicht überstehen könnte. In der Intensivpflege geht es oft deutlich bedrohlicher zu und es muss immer gewährleistet werden, dass jemand im Zimmer des Patienten ist und die Geräte im Blick hat, Sauerstoffwerte und Beatmungsparameter, dazwischen vielleicht Windeln wechseln, Sondennahrung verabreichen und das Sekret absaugen.
Und dann musst du am nächsten Tag wieder funktionieren.
Weil du einen Job hast und/oder noch andere Kinder da sind, um die du dich kümmern musst.

Jetzt gibt es seit Anfang des Jahres ein sogenanntes „Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz“, das einseitig stationäre Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser entlastet. Konkret fördert der Staat die Schaffung von 13.000 Stellen in der stationären Pflege sowie Tariferhöhungen in dem Bereich.
Die Folge ist nun eine Abwanderung der Pflegekräfte aus der häuslichen Pflege, die vorher schon nicht ausreichend besetzt war. Der Druck auf uns Angehörige wächst, die häusliche Situation verschärft sich zunehmend.

In dieser Petition geht es um eine Sicherstellung der häuslichen Intensivpflege für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
Es kann nicht sein, dass ein Pflegegesetz einseitig stationäre Einrichtungen unterstützt, während Angehörige in der häuslichen Pflege mit ihren schwerstkranken Kindern allein gelassen werden!

Die Mitzeichnungsfrist läuft noch bis zum 1.7.2019 und es werden noch dringend Stimmen benötigt, um der Bundesregierung die Ernsthaftigkeit der Situation zu vermitteln.

Vielen Dank.

Europawahl

Ein paar denkwürdige Zitate aus einem Interview mit Martin Sonneborn, Europaabgeordneter und Gründer der Partei Die PARTEI:

„Wir sind ein bisschen ab davon, rein satirisch zu agieren. Das anhaltende Sterben im Mittelmeer ist zu ernst, um witzig zu sein. Und ernst ist auch, dass das Thema sonst im inhaltsleeren Hochglanz-Wahlkampf der anderen Parteien keine Rolle spielt.
Ich hab kürzlich in einer Abstimmung die entscheidende Stimme für einen Bericht gegeben, der einfach nur besagt, dass es ein internationales Seenotrettungsabkommen gibt und Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet werden müssen.

Es wurde gerade erst ein EU-Haushalt verabschiedet, in dem erstmals mehr Geld für Waffenentwicklung, Grenzsicherung und Aufrüstung vorgesehen ist, als für Entwicklungshilfe. Ich sehe überall nur Abschottung, scheißegal, was da draußen passiert. Das kann kein Konzept sein, das über fünf Jahre hinaus funktioniert.

[…]

Das macht mich wütend. Es geht um Menschenleben. Manche EU-Politiker stellen ihr eigenes Karriere-Fortkommen darüber. Das verstehe ich nicht.“

Quelle: DerWesten

Am 26.5. findet die Europawahl statt.

Weltfrauentag und so

„Heute ist Weltfrauentag, Schätzchen.“
– „Was ist das?“
„So eine Art Feiertag für Frauen. Wir feiern, dass es uns gibt.“
– „Boah, Mama! Erst dürfen die Frauen den Männern die Krawatten abschneiden – voll aggressiv – und dann kriegen die einen eigenen Feiertag.
Weißt du was, Mama?! Es sollte einen Tag geben, an dem die Männer den Frauen das Handy aus der Hand reißen und auf die Straße werfen dürfen.“
„Ich google mal, wo du deinen Tag beantragen kannst.“

Frauen

Ich dachte mal, ich wüsste, was Frauen wollen.
Sah mich als eine ideale Vertreterin der Frauenfraktion. Immerhin bin ich eine. Alles dran, alles drin. Dann fing die Sache mit dem Dating an.
Und ich stellte fest: Ich hatte keine Ahnung von Frauen.

Offensichtlich habe ich ein bisschen mehr Interesse an Sex als die Durchschnittsfrau, interessiere mich mehr für Filme und Games als die Durchschnittsfrau und dafür weniger für Tratsch, Prominente und Mode als die Durchschnittsfrau. Ich rede auch weniger als die Durchschnittsfrau.
Irgendwann kam ich also zu der Erkenntnis, dass ich ein denkbar schlechter Ratgeber bin, wenn es um Ratschläge über Frauen geht. Weil ich absolut nicht weiß, was sie eigentlich wollen.

Aber vielleicht ist das auch normal.
Vielleicht kann man die Hälfte der Weltbevölkerung, also rund vier Milliarden Menschen oder 40 Millionen in Deutschland, gar nicht über einen Kamm scheren.
Und vielleicht sollte man auch nicht über ihre Köpfe hinweg bestimmen, was gut für sie ist und was schlecht. Vielleicht ist der Feminismus (zumindest in Teilen) auch nur eine andere Form der Bevormundung und vielleicht reicht auch das Schlagwort „gesunder Menschenverstand“ aus, beruhend auf ethisch-moralischen Handlungen, die man hoffentlich in seiner Erziehung mit auf dem Weg bekommen hat.

Was den Weltfrauentag angeht, bin ich noch immer ziemlich zwiegespalten. Ja, natürlich gibt es Länder auf der Erde, in denen Frauen und Männer nicht als gleichwertige Menschen angesehen werden. Von dem her möchte ich dem Tag gar nicht seine Wichtigkeit absprechen.
Aber ich lebe hier in meiner eigenen Blase und mich berührt dieser Tag so überhaupt nicht, ganz persönlich gesprochen.
Fast fühle ich mich beleidigt, weil es so selbstverständlich für mich ist, als gleichwertig wahrgenommen zu werden. So, als wäre ich eine besonders schützenswerte Tierart, kurz vorm Aussterben, schwach und gebrechlich.
Auf der anderen Seite wiederum, ist dieser Tag für mich ziemlich banal und ereignislos, wie er so rumsteht zwischen dem Tag der Mülltrennung und dem Internationalen Tag der Bauchtasche …

In diesem Sinne wünsche ich heute allen einen frohen Milky-Way-Tag.

Commercial break

 

„Scheidungskrieg: Frau erpresst Mann mit den eigenen Kindern“

„Frau wegen erfundener Vergewaltigung zu Geldstrafe verurteilt“

„Sie ist Modell und sie zeigt sich gerne hüllenlos“

 

Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse.
Viel zu lang schon nutzen Frauen ihre Positionen aus, stilisieren sich als Opfer, benutzen ihre Machtstellung als Mutter oder stellen ihren Körper schamlos zur Schau, um sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken.
Selbst im Kindergarten führt ihr oft übermäßig zickiges Verhalten, das Ausdruck findet in einer Glas zerspringen lassenden hohen wie lauten Stimmlage, dazu, dass sogar Erzieher sich als machtlos geschlagen geben müssen.

Es ist Zeit für eine Wende.
Weil wir an das Beste in Frauen glauben.

Sag einfach das Richtige.
Handle so, wie es richtig ist.
Einigen gelingt das bereits.
Aber einige sind nicht genug.

Wir müssen uns selbst herausfordern
immer und immer wieder
um unser Bestes zu erreichen.

Gillette Venus
(im Schnitt 25% teurer als ein vergleichbarer Männerrasierer)


 

Tja, hätte Gillette sich angeschickt Frauen über einen Kamm zu scheren und weibliche Pendants mit der Rolle der Täter und Brutalo-Rüpel zu besetzen – der Ansturm der Feministen wäre enorm.
So sind es also die Männer, deren Ehre gerade haarscharf beschnitten wird.

Wer an dieser Stelle noch nicht weiß, worüber ich spreche, hier die neue Gillette-Werbung:

Ich gebe zu, eigentlich sollte es überflüssig sein ernsthaft Stellung beziehen zu wollen zu einem Werbespot eines Markenherstellers, der in erster Linie daran interessiert ist Umsatz zu machen und nicht die Welt zu verbessern, aber offensichtlich sehen viele Menschen das anders.
So viele, dass zum Beispiel Etienne Gardé, Moderator von RBTV, aufgrund eines belanglosen Tweets Morddrohungen und Beleidigungen bekam mit der Begründung, er würde Vergewaltigungen und Gewalt gegen Frauen zu relativieren.

Manchmal kommt mir der Gedanke, dass eine kleine Apokalypse auch eine sehr reinigende Wirkung haben könnte.

Offensichtlich lohnt sich also doch eine Diskussion darüber, ob ein Rasierklingenhersteller Männer zu besseren Menschen erziehen kann oder sollte.

Nach dem ersten Sehen hatte ich das Gefühl, das Gillette bewusst mit emotional aufgeladenen Bildern zu manipulieren versucht. Der Zuseher soll gar nicht nachdenken, er wird nicht wirklich zum Reflektieren gebracht, vielmehr empfinde ich die Bilder als emotionale Erpressung mit dem Ziel ein ferngesteuertes Kopfnicken beim Publikum zu erzeugen, komplettiert durch die Erkenntnis: „Wow, die bei Gillette machen sich ja echt Gedanken, voll ethisch korrekt und so!“

Aber hey, es ist eben Werbung.

Beim zweiten Mal habe ich versucht, mich mehr auf die Details zu fokussieren.
Die Me-Too-Debatte wird angesprochen, sexuelle Übergriffe werden thematisiert und es geht um Frauen, die am Arbeitsplatz nicht für voll genommen und erniedrigt werden.
Gut, ich gebe zu, dass solche Dinge eher Frauen als Männern passieren.
Frauen als Opfer, Männer als Täter.
Trotzdem heißt das im Umkehrschluss noch lange nicht, dass es sich bei diesen Vorfällen um ein typisches Verhalten handelt, dass Männern quasi in die Wiege gelegt wird.

Weiter wird Mobbing angesprochen und irgendwie mit Jungs in Verbindung gebracht, obwohl Mobbing für Mädchen genauso ein Thema ist. Sei es nun auf der Seite der Opfer oder auf der Seite der Täter.
Und was ist mit der Szene, die zwei sich balgende Jungs zeigt, begleitet von den Vätern, die am Grill stehen und achselzuckend den Satz „Boys will be boys“ von sich geben?
Von den wenigen Sekunden kann ich nicht beurteilen, ob die Rangelei harmlos ist oder ob es sich um einen handfesten Streit handelt.
Fakt jedoch ist: Raufen, Rangeln oder Ringen ist tatsächlich entwicklungsfördernd und pädagogisch wertvoll.
Weniger wertvoll dagegen sind Helikopter-Eltern, die bei der kleinsten körperlichen Berührung dazwischen gehen und den Kleinen nicht mal die Chance zu geben, sich auszuprobieren und ihre Kräfte zu messen. Das soll nicht heißen, dass es keine Regeln gibt beim Rangeln.
Natürlich gibt es die und es ist okay die Kids zu beobachten und im Ernstfall einzuschreiten, sobald aus dem Spiel böser Ernst wird.
Es muss eine Balance geben. Ich nenne sie: gesunder Menschenverstand.

Nach ungefähr der Hälfte des Spots gibt es eine Wendung – offensichtlich sollen jetzt Lösungsansätze gezeigt werden.
Also werden die Jungs auseinander gezogen.
Körperliche Auseinandersetzungen sind nicht gewünscht.
Raufen, rangeln, balgen – dank Gillette bald passé.
Boys will be boys – jetzt nicht mehr.

Und um noch mehr Leuten den Spaß zu verderben, soll dann aber auch Schluss sein mit freizügigen Musikvideos. Man(n) muss die Frauen ja auch mal vor sich selbst schützen, nicht wahr?
Aber nicht nur die Modells im Video sind bald ihren Job los, auch der Mann, der sich gerade zu der attraktiven Frau umgedreht hat, wird aufgehalten.
„Not cool!“
Dabei wissen wir noch gar nicht, was er gesagt hätte.
Zwischen einem geschmacklosen „Hey, Baby, soll ich dir mal mein Rohr zeigen?“ und „Wow, dein Lächeln eben hat mich umgehauen!“ liegen Welten und wer weiß, vielleicht wäre sie nicht mal abgeneigt gewesen. Vielleicht darf man Frauen auch das Recht einräumen, sich selbst eine Meinung zu bilden und selbst mit der Konfrontation umzugehen? Please?

Es ist eben so: Der erste Eindruck, den wir von einem Menschen bekommen, ist ein rein visueller. Okay, außer du bist blind.
Wir entscheiden uns also innerhalb der ersten Sekunden, ob wir einen Menschen attraktiv finden oder nicht. Und es gibt Menschen, die sagen sehr frei was sie denken und andere halten ihre Gedanken für sich. Aber sie sind trotzdem da.
Und, haltet euch fest: Das passiert geschlechtsunabhängig! Verrückt!

Vielleicht sollte Gillette also konsequenterweise allen Männern den Blickkontakt zu Frauen verweigern. Prototyp: Augapfelasierer. Autsch.

Zum Schluss kommen noch bullshitmäßig ein paar bedeutungsschwangere Sätze aufgedrückt wie:
We believe in the best in men
To say the right thing
To act the right way.
Some already are.
But some are not enough.

Na, aufgepasst?!
Richtig, Gillette hat gerade gesagt, dass 90% aller Männer scheiße sind.
Hit that!

Some already are
taking positions
und schmeißen ihre Rasierer in den Müll.
So viel zu: Act the right way.

Ende Gelände

2018 geht zu Ende, Zeit für einen Rückblick.

Keiner ist gestorben, das stell ich mal auf die Haben-Seite.
Na gut, vermutlich sind doch irgendwo Menschen gestorben, aber wenigstens niemand aus meiner Familie.
Katastrophen gab es dennoch: die beinahe geflogene Zunge vom Großen, der gebrochene Fuß von seinem Vater und dann noch der Pflegedienst, der uns so plötzlich im Stich gelassen hat.
Dafür war auch Zeit für Neues: Das persönliche Budget wurde realisiert,
eigene Fachkräfte angestellt. Wie gut sich das anfühlt es selbst in der Hand zu haben, wer kommt und wer nicht!
Nach fast fünf Monaten hat sich alles eingependelt, die nächste Hürde wird die erste Prüfung im Februar.

Mein neuer Minijob tut mir gut, das Team fühlt sich an wie eine Familie, heimelig, humorvoll, rücksichtsvoll, ein bisschen Banane. Der Stundenlohn ist gut und ich mache etwas Sinnvolles, soziales Engagement. Was will man mehr?

Mein neues Auto bringt mich sicher von A nach B.

Was habe ich 2019 vor?

Mehr schreiben, mehr lesen, ein neuer Blog.
Letzteres spukt schon seit Jahren in meinem Kopf und ich werfe am Fließband Konzepte über den Haufen, eben weil ich mich so gut kenne, meine Launen, mein mangelnder Ehrgeiz und das Unvermögen mich auf ein Thema zu beschränken. Aber vielleicht kriege ich es dieses Mal hin.
Jedenfalls möchte ich mehr über Sprache lernen und experimentieren.

Ein Umzug wäre nicht schlecht, aber dafür bräuchte es mehr Einkommen.
Vermutlich eher 2020, klingt auch besser.

Außerdem würde ich gerne an einer offenen Lesebühne teilnehmen.
So mit echten Menschen im Publikum.
Das will ich eigentlich schon seit Jahren, vielleicht schaffe ich dieses Mal den Sprung.

Mit diesem Post verabschiede ich mich bis Februar in eine kleine Winterpause, damit ich anderen Projekten nachgehen kann.
Ab Februar wird es dann wieder gewohnt unregelmäßig 😉

Kommt gut rein und böllert nicht zu viel,
bis nächstes Jahr
eure Maria Mittwoch